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Ekzeme am Mundwinkel

Dr. ...
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Ekzeme am Mundwinkel

Suche Rat.
63jähriger Patient, von seinem ehemaligen Hausarzt in Behandlung mit 100 mg ASS/d angeblich wegen hohes Hämatokrits und wegen einer positiven Familienanamnese für KHK. Sonst gesund, keine Vorerkrankungen, keine Allergien, Blutspender.
Vor 7 Jahren trat zum ersten Mal eine Lichenifikation der Haut am li. Mundwinkel ohne Juckreiz oder Schmerzen. Die Mundschleimhaut war unauffällig. Unter lokale Kortikosteroide klang es ab, kam aber wieder nach ca. 3 Monaten. Es wurde dann mit einer Kombination zw. Antibiotikum und Steroiden lokal behandelt. Nach ca. 3 Monaten Beschwerdenfreiheit kam aber nochmal. Es wurde dann Elidel 1% Creme(Pimecrolimus) verschrieben. Die Wirkung trat später als mit Steroiden auf, hielt auch nur wenige Monaten.
BIs heute wurde von Patient nur mit lokalen Kortikosteroiden bei Bedarf behandelt. Die beschwerdenfreien Intervalen sind aber kürzer geworden, die Läsion juckt jetzt ziemlich stark und noch ein zweiten Herd entwickelt sicht langsam am re. Mundwinkel.
Ich freue mich sehr auf diagnostische und therapeutische Vorschläge!

Auch am re. Mundwinkel fängt es an.
Auch am re. Mundwinkel fängt es an. Ekzem am li. Mundwinkel, seit ca. 4 Tagen lokale Kostikosteroiden
Ekzem am li. Mundwinkel, seit ca. 4 Tagen lokale Kostikosteroiden

Diskussion

6 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 247 Ärzte verfolgen diese Diskussion
0 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Ich nehme das Zink und Vitamine B in Ordnung sind.

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Danke für die Antwort! Ja, es liegt keinen Vit-Mangel (auch kein Zink-Mangel)vor. Laborchemisch war auch alles ok, abgesehen von einem hohen Hämatokrit seit der Jugend (bislang ohne erkennbare pathol. Bedeutung).

Dr. ...Dr. ...
Kinderzahnheilkunde, Oralchirurgie, Parodontologie, Prothetik, Zahnerhaltungskunde

An eine Pilzinfektion denken, ist in den Mundwinkeln häufig.
Ursache ist eine ungünsige Physiognomie. Falls der Unterkiefer prothetisch versorgt ist (im Bild nicht zu erkennen), Kieferrelation verändern (Bisshebung).

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Vielen dank für den Kommentar. Ich werden ihren Vorschlag probieren.

5 von 5 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Vielen Dank für diesen zahnmedizinischen Kommentar, in derart kurzen Worten habe ich meine "persönliche" Theorie noch nicht bestätigt gelesen.

Daher:

1. Behandlung mit einer Crememischung:

Triamcinolonacetonid 0,03
Clotrimazol 0,3
Triclosan 0,8
Ungt. emulsificans aq ad 30,0

Erscheinungsfreiheit immer innerhalb weniger Tage.

Ggf. als Maximaltherapie Abdeckung der Mundwinkel mittels Pasta zinci mollis zur Nacht.

2. Beratung des Patienten:

Bez. rezivierendem Verauf. Immer auf Grund einer chronischen Durchfeuchtung der Mundwinkel bei Zahn-/Gebissfehlstellung.

Eine Patientin, der ich diesen Sacherhalt in schonenden Worten beibringen wollte, sagte einmal kürzlich "Sie können es schon sagen, dass ich nächtens sabbere".

Hartnäckiger Verlauf dann wegen Superinfektion mit gram-neg. Darmbakterien, selten eher Candida alb.

Diesbez. therapeutische Maßnahmen:

- zahnärztliche/Kieferorthopädische Behandlung (eher unwahrscheinlich)
- dauerhafte Anwendung der Crememischung 1-2xwöchentlich zur Rezidivprophylaxe
- sofortige Anwendung der Crememischung bei erneutem Rezidiv

3. Unsinn der Lehrbücher

Vitamin B12-, Eisenmangel, Diabetes etc. sind als Ursache der Mundwinkelrhagaden vollständig sicher auszuschließen.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Kinderzahnheilkunde, Oralchirurgie, Parodontologie, Prothetik, Zahnerhaltungskunde

Danke für den Therapiebericht aus der Dermatologie.
Eine zahnmed.-prothetische Therapie ist nicht direkt auf die Rhagade ausgerichtet und sollte natürlich bei vollbezahnten Pat. (oder Pat. ohne Stützzonenverlust)unterbleiben. Bei Prothesenträgern (vor allem wenn es sich schon um die x-te Prothese handelt) ist häufig die vertikale Kieferrelation über die Jahre abgesenkt. Hier sollte korrigiert werden (nicht unbedingt wegen einer evtl. Rhagade). Die Bisshebung ist keine Kassenleistung. Da häufig aber die Prothesen insuffizient sind, ist eine Erneuerung über die GKV möglich (Bisshebung nebenbei).

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

"vertikale Kieferrelation"

Wäre dankbar dafür, wenn ich dies einmal so erklärt bekäme, dass ich dies auch so adäquat weitergeben kann.

Hab dies jetzt schon das eine oder andere Mal versucht, jedoch zugegeben ziemlich verunsichert.

Wäre daher dankbar dafür bez. 1-2 kurzen erklärenden Sätzen, die ich dann so weitergeben kann.

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Vielen dank Herr KOllege Irion und Herr Kollege Schaller für Ihre Beiträge. Die Creme hat schon was gebracht. Die Ragaden sind weg. Der Pat. hat tatsächlich angegeben, dass er nachts "sabbert". Schauen wir dann, ob es rezidiviert.
Er trägt keine Zahnprothesen. Wird sich aber bei Rezidiv beim Kieferorthopäden vorstellen.
Grüße

0 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Kinderzahnheilkunde, Oralchirurgie, Parodontologie, Prothetik, Zahnerhaltungskunde

Eine Bisshebung ist kein Allheilmittel. Es gibt eine vertikale und horizontale Kieferrelation. Beim vollbezahnten Menschen (ohne Zahnfehlstellungen) ist die Lagebeziehung zwischen Oberkiefer und Unterkiefer beim vollständigen Zusammenbeißen (maximale Interkuspidation) klar definiert. Die Zähne passen enfach exakt aufeinander. Durch die klare Positionierung des Unterkiefers befinden sich auch alle Teile des Kiefergelenkes in einer bestimmten Position. (Das ist wichtig für das Kiefergelenk). Je mehr Zähne verloren gehen, desto ungenauer ist die Positionierung der Kiefer beim Zusammnbeißen. Am schlimmsten ist es, wenn die Seitenzähne fehlen und nicht ersetzt sind. Hier fehlt die Abstützung besonders im Bereich des Musculus masseter. Man stelle sich einen Totalprothesenträger vor, der beide Prothesen entfernt. Neben dem Zusammenfall der Weichgewebe (Lippen, Wangen) gelangt das Kinn nach cranial und anterior. Die Physiognomie verändert sich entsprechend. So ähnlich, aber eben nicht so extrem ist es beim Verlust der Seitenzähne oder dem unzureichenden Ersatz (insuffiziente Prothese). Frontzähne und sogar das Kiefergelenk geben nach. Es kommt zum "Höhenverlust"!
KEINE BISSHEBUNG BEIM VOLLBEZAHNTEN PATIENTEN! Auch nicht, wenn er Rhagaden hat. Dies kann nur geschehen, wenn die vertikale Kieferrelation verlorengegangen (geringer geworden) ist.

1 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Allgemeinmedizin

Völlige Übereinstimmung, was die Genese der Mundwinkelrhagaden
betrifft, nämlich durch Nässe.Nachts SAbbern ist eine Möglichkeit, eine andere jedoch ist Mundwinkelschlecken, und das geben die Patienten meist nicht zu.
Ich empfehle bei Rhagaden intensiv Labello-Stift und verbiete das Schlecken.
Das klappt fast immer,wenn der Patient mitmacht und das Schlecken nicht verniedlicht.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Das "Schlecken" betrifft eher die Lippen (atopisches Lippenekzem). So wird dies in der Praxis auch überwiegend bei jüngeren Patienten gefunden, die chronischen Mundwinkelrhagaden dagagen eher bei älteren.

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Mittlerweile hat sich der Pat bei mir gemeldet und ist höchst zufrieden mit der Crememischung von Herrn Irion. Seit November beschwerdenfrei (in der letzten Zeit hat die "alte" Behandlung nur ganz kurze beschwerdenfreie Intervalle gebracht).
Vielen dank für den Beitrag!

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Hallo Herr Irion,

was verordnen Sie Patienten bei atopischen Lippenekzem? Kortison und dgl.?

Freundliche Grüße, Dr. Werrmann

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

- Bez. der Crememischung: Es ist noch wichtig darauf hinzuweisen, dass diese Mischung nur in wenigen Apotheken ordentlich "gemischt" werden kann. - Am besten bei einem hautärztlichen Kollegen nachfragen. Ansonsten hilft diese Mischung - sowohl entzündungshemmend, gegen Bakterien und Pilze und in einer austrocknenden Creme-Grundlage - auch bei Balanitis simplex und chronischer Paronychie.

- Bez. atopischem Lippenekzem: Kurzfristige Applikation von Advantan-Fettsalbe (potentes Steroid in einer allergologisch inerten Grundlage) hilft sofort und die entsprechende Aufklärung des Patienten zudem!

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Danke, Herr Irion, ich werde das mal ausprobieren. Und, da ich nun mal einen Experten "an der Strippe habe", gleich noch eine Frage: Was halten Sie von harnstoffhaltigen Produkten (z.B. Linola Urea) in der Basispflege?

Freundliche Grüße, Angela Werrmann

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

In der Basispflege empfehle ich im Bereich des Körpers, (nicht Gesicht!) eine vollständig allergiefreie Lotion (Eucerin 10 % Urea-Lotion) - hier setzte ich in aller Regel eine Grenze von 40 Jahre! In jüngeren Jahren empfehle ich die Excipial U-Lipolotio: enthält zwar in geringen Anteilen einen Duftstoff, dagegen sehr geschmeidig, gut einziehend, kühlend, fast 40 % Fettgehalt und 4 % Urea. Bei jüngeren Patienten die Lipoderm-Lotion. Allergiefrei, sehr gschmeidig, gut einziehend und rel. günstig.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Vielen Dank. Aber eine letzte Frage habe ich aufgrund Ihrer Antwort nun doch noch: Warum nicht im Gesicht?

0 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Die Gesichtshaut benötigt letztlich eigentlich keine Pflege, da insbesondere im Bereich der T-Zone bis ins höhere Alter ausreichend selbst-fettend.

Eine Feuchtigkeitscreme hat letztlich nur den Sinn, die Hornzellen der Epidermis (mit Wasser) aufzuballonieren, um damit Fältchen etwas zu glätten.

Aus dermatologischer Sicht geht es eigentlich ausschießlich darum die Gesichtshaut zu entfetten, um eine Akne oder Rosacea zu behandeln!

Probleme im Bereich der Gesichtshaut entstehen allenfalls auf Grund einer zu häufigen Applikation von Feuchtigkeitscremes, ggf. auch Fettsalben oder Steroiden: sog. periorale oder rosaceaartige Dermatitis.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

...aber das gilt doch nicht für Neurodermitis/ endogenes Ekzem??

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Guten Tag Herr Irion,
Noch eine dermatologische Frage: Ich habe in der Praxis ein paar Kinder (1 und 4J) mit einer persist. seborrhoischen Dermatitis der Kopfhaut (fettige bräunliche Schuppen inbes. in der MIttellinie, nicht juckend). Die Mütter haben schon vieles probiert (Schampoos, Ölmassage-wegkämmen...)und es wird nicht besser. Wie behandeln Sie es?
Vielen dank!

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

- eine Neurodermitis/atopisches Ekzem ist nach nach dem Kleinkindesalter ein äußerst seltenes Ereignis, insbesondere nach der Pubertät zu vernachlässigen. - Pflege mit einer Salbenmischung mit Triclosan 1,5 in Lipoderm-Lotion (bei Hinweisen für eine Superinfektion, insbesondere bis 2. Lebensjahr) oder Harnstoff 1,5 in Lipoderm-Lotion.

Bei ekzematösen Veränderungen nach der Pubertät, entweder Reaktion im Rahmen einer rosaceaartigen Dermatitis oder seborrhoisches Ekzem oder eine kontaktallergische Reaktion.

- eine "persistierende seborrhoische Dermatitis" müsste ich mir doch einmal anschauen. Normal ist eine seborrhoische Dermatitis spätestens ab dem 3.-4. Lebensmonat bis auf seltenste Einzelfälle als Diagnose zu vernachlässigen! Danach erst wieder ab der Pubertät!

Zum Abschuppen (für Säuglinge und Kleinkinder):

Salicylsäure 1,5
Ocyldodecanol 25,0
Ol. olivarum ad 50,0

Ja nach Alter entweder für 4 h oder über Nacht einwirken lassen. Haarwäsche mit der Terzolin-Lsg. (bei Hinweisen für Pityrosporon ovale bzw. Mal. furfur).

Bei Kindern mit weniger Haaren (insbesondere Säuglingen) verwenden ich bei seborrhoisches Dermatitis eine Crememischung mit

Hydrocortison 0,5
Clotrimazol 0,5
Ungt. emulsificans aq ad 50,0

Bei älteren Kindern eine Haartinktur (enthält jedoch Alkohol, kann daher ggf. bei Kindern mit sebostastischer Schuppung in Einzelfällen Brennen, diesbezügliche Aufklärung der Eltern):

Bei trockener Schuppung:

Triamcinolonacetonid 0,1
Salicylsäure 3,0 bis 5,0
Clotrimazol 0,5
Octyldodecanol 25,0
Ger. Wasser 10,0
Isopropylalk. 50 % ad 100,0
- mit Pipette

Bei fettiger Schuppung:

Triamcinolonacetonid 0,1
Salicylsäure 3,0 bis 5,0
Clotrimazol 0,5
Octyldodecanol 10,0
Ger. Wasser 5,0
Isopropylalk. 50 % ad 100,0
- mit Pipette

Jeweils über Nacht mit einer Stülpa-Kopfkappe einwirken lassen. Haarwäsche am morgen bei trockener Schuppung mit einem milden Schampoo (Mildestes: Eucerin 5 % Urea-Schampoo), bei seborrhoischem Ekzem Haarwäsche mit "normalem" Schampoo sowie 1-2xwöchentlich mit einem antimykotischen Schampoo wie Terzolin, Sebiprox. etc.

Dr. ...Dr. ...
FÄ für Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Vielen dank für die ausführliche Antwort!

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23