Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Infektiologie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie

Post-Polio-Syndrom als Ursache einer Denkstörung mit darauf folgendem Suizid? 1 Arzt beteiligt sich an dieser Diskussion , 42 Ärzte verfolgen diese Diskussion

Dr. ...
Dr. ...
Innere Medizin
Erlangen
Pat hatte mit 13 Jahren (1952) eine atypische Kinderlähmung mit lallender Stimme und taumeligen Gang. Nach einem stationärene Aufenthalt kam es zur vollständigen Gesundung. Der sportlich aktive Pat konnte problemlos das Abitur sowie ein Chemiestudium beenden und seine Doktorarbeit mit Auszeichnung abschliessen. Mit 28 Jahren (1967) wanderte er zum Arbeiten in die USA aus, wozu eine Pockenschutzimpfung notwendig war. Etwa 3-4 Monaten nach der Pockenschutzimpfung berichtet der Pat, daß er "nicht mehr denken" kann und "glaubt den Verstand zu verlieren". In den darauf folgenden Tagen berichtet er über Unruhe und Schweißausbrüchen. Kurz darauf begibt er Suizid durch Blausäure. Depressionen oder Ängste hat er nie, auch seiner Ehefrau gegenüber, geäußert. Ein Abschiedsbrief ist nicht vorhanden.
Kann es bei dem Fall um eine Denkstörung im Rahmen eines Post-Polio-Syndrom handeln?
Kann der geistige Verfall im Rahmen eines Post-Polio-Syndroms so rapide von statten gehen?
Ist die Denkstörung evtl. durch die Pockenschutzimpfung ausgelöst worden?

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Ich habe in den 31 Jahren, in denen ich mehrere Tausend Patienten mit Folgezuständen nach Poliomyelitis behandelt habe, keinen derartigen Verlauf gesehen.
Im akuten Stadium der Poliomyelitis anterior gibt es zwar ganz selten eine bulbäre Verlaufsform.
Beim Post-Polio-Syndrom, als Ausdruck einer zunehmenden Erschöpfung der noch funktionsfähigen motorischen Einheiten, ist mir weder aus der Praxis noch der Literatur derartiges bekannt.


2 Mitglieder fanden folgenden Kommentar hilfreich

Eine sehr seltene, aber wohl beschriebene Komplikation der Pockenschutzimpfung ist die postvakzinale Enzephalitis. Inwieweit dabei psychotische Symptome typisch sind, weiß ich leider nicht. Vorstellbar wäre es aber zumindest. Außerdem würde ich in Betracht ziehen, dass der Suizid weder mit dem einen noch mit dem anderen kausal zusammenhängt.


Dr. ...
Dr. ...
FA für

Ich denke, dass das eher ein Zufall ist, und mit der neuen Umgebung was zu tun hatte(vielleicht auch Drogenentzug?) oder mit familiären Problemen.


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