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Weizenallergie

Dr. ...
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Weizenallergie

Liebe Kollegen,
Ich höre immer wieder, dass es keine Weizenallergie gäbe, sondern dass man in diesem Zusammenhang lediglich von einer Unverträglichkeit spricht. Dabei sind doch allergische Reaktionen gegen Weizen-Albumin und Klebeeiweiß nachgewiesen worden.In meinem Bekanntenkreis hat nun wieder eine Mutter durch Weizenkarenz bei ihrem 4jährigen ein hartnäckges Ekzem zum Verschwinden gebracht.
Wie denken Sie darüber, was haben Sie für Erfahrungen in diesem Bereich?

Diskussion

9 Ärzte beteiligen sich an dieser Diskussion, 144 Ärzte verfolgen diese Diskussion
1 von 3 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeine Gynäkologie, TCM

Lieber Kollege Schmidt,
im Bereich der TCM habe ich häufig mit Weizenunverträglichkeiten zu tun. Als echte Allergie wird es nicht bezeichnet, da im Bluttest selten nachweisbar. Fakt ist aber, das die Symptome der Unverträglichkeit(häufig Ekzeme) durch Karenz verschwinden.
Mit Kinesiologie oder Pulstestung für Könner leicht festzustellen. Für Kollegen die diese Technicken nicht beherrschen, lohnt es immer Patienten mal Testweise für 4 Wochen auf Weizen verzichten zu lassen. Wichtig immer der Hinweis, das Nudeln auch Weizen sind und in vielen Produkten Weizen mit drin ist(Zutaten lesen)...viele denken nur an Brot! Nicht immer ganz einfach die Umstellung, aber oft ein Treffer und begeisterte Patienten.
An zweiter Stelle stehen die Milchprodukte

1 von 4 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Lieber Herr Kollege Schmidt,

eine "Weizenallergie" mag es ja in einzelnen Fällen geben, sicherlich allenfalls in wenigen Einzelfällen und dann auch mit anaphylaktischen Reaktion einhergehend.

Jedoch kann es keinen Zusammenhang zwischen einer Ekzemverschlechterung bzw. - besserung mit dem Weizengenuss geben - dies ist vollständig sicher auszuschließen!!

Bei einem chronischen Ekzem steht immer - wie man mittlerweile weiß - Autoimmunreaktionen im Vordergrund, z.B. gegen hauteigenene Pityrosporon ovale-Hefepilze. Dies muss durch eine entzündungshemmende Maßnahme, sei es ein lokales Steroid, einen Calcinerin-Inhibitor oder auch eine Lichttherapie unterbrochen werden. Die Behandlung, muss je nachdem wie lange das Ekzem bereits bestanden hat, ausreichend lange - in allerdings reduzierter Form - z.B. 1-2xwöchentlich nachbehandelt werden, da sonst ein Rezidiv vorprogrammiert ist.

Damit bekommt man jedes auch noch hartnäckige Ekzem in den Griff - und das ohne Meiden von jeglichen Nahrungsmitteln.

4 von 4 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Hier muss ich einer Aussage leider vehement widersprechen!
Eine Ekzemverschlechterung durch NM Allergene ist natürlich möglich und in unzähligen (publizierten) doppelblinden placebokontrolliierten NM Provokationen nachgewiesen. Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass dieser Zusammenhang häufig vorschnell hergestellt wird. Auch bei diesem Kind sollte der übliche Weg eingehalten werden: Anamnese, Dignostik (schwierig), Karenz dann Provokation (Goldstandard!!). Eine professionelle Ernährungsberatung gehört aber immer dazu, sonst sind "Sinnlosdiäten" und ev. Mangelernährung die Folge. Die Therapie ist schon bestens beschrieben, Lichttherapie ist aber eher nichts für 4 jährige.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin, Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Liebe Kollegen,

danke für die Tipps!
Wie muss ich mir den genauen immunologischen Mechanismus vorstellen?

danke

1 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Sehr geehrter Herr Kollege Derma-H,

Sie können davon ausgehen, dass ich diese von Ihnen angesprochenen Publikationen größtenteils kenne.

Wie aber laufen diese Provokationstestungen ab: an eine Tag wird das Verum exponiert, dann ein Tag Beobachtungspause, dann 1 Tag Placebo und wieder ein Tag Pause.

Sicherlich kenne sie die Dauer der Entstehung einer Ekzemreaktion. Betrachten Sie z.B. die Typ IV-Kontaktderatitis, hier wird im Epikutantest ja wohl standardmäßig nach 48- und 72-Stunden abgelesen. - Aber die Ekzemreaktion beim atopischem Ekzem soll innerhalb von 24 h auftreten!!??

Für eine Nachbeobachtung unter stationären Bedingungen über 2-3 Tage bleibt aber wohl kau die Zeit. - Fragt sich da mal nur, welche Reaktionen in den ersten 24 Stunden da gesehen wurden.

Bis zum 18. (bis 24.) Lebensmonat empfehle ich auch das Meiden von potenten Allergenen wie Kuhmilch, Ei...und auch Weizen. Danach haben Nahrungsmittel keinen - zumindest wesentlichen - Einfluss auf die Ekzemverschlechterung.

Im Vergleich zu den 3 wesentlichen Faktoren, die bei einem atopischen Ekze entscheidend sind wie klimatischen Faktoren (Winter), Juckreiz und Staph. aureus-Besiedelung spielen Nahrungsmittel eine alle allenfalls ganz untergeordneten Rolle, wie Hausstaubmilben, Tierepithelien, Rauchen in der Familien etc.

Ich garantiere meinen Patienten innerhalb von 14 Tagen vollständige Erscheinungsfreiheit, wobei mir persönlich ein generalisierter und ausgeprägter Befund am liebsten ist - ab de 18. Lebensmonat jedenfalls ohne jegliche Einschränkung bei der Ernährung.

Viele Grüße

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Guten Tag,
ich möchte doch nochmal alle interessierten Beobachter dieser Diskussion ermutigen die gängigen Leitlinien auf der AWMF Seite zu Neurodermitis ( http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/013 ... 7.htm ) und zum Vorgehen bei vermuteter NM Allergie bei AD einzusehen. Dort sind der 6-tägige Ablauf eine MN Provokation dargestellt, ebenso mögliche flare up Reaktionen eines Atopischen Ekzems innerhalb von Stunden und viele weitere angesprochene Aspekte. Es sei wiederholt, dass NM als alleiniger Auslöser eines atopischen Ekzems sicherlich nicht sehr häufig sind, jedoch eine generelle Unmöglichkeit in den Raum zu stellen erscheint doch sehr fraglich. Eine garantierte Beschwerdefreiheit eines Neurodermitis Patienten ist aus meiner Sicht ebenso eine sehr gewagte Hypothese, die ich meinen Patienten (leider) nicht geben kann.

0 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Glücklicherweise gibts auch doch auch Literatur, die meine in der Praxis getestete Theorie bestätigen können, z.B.:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16669992

"Atopic dermatitis, even in the highest-risk patients, is rarely induced by foods."

Natürlich nicht zu verwechseln mit:

"IgE-mediated food reactions ar common in atopic dermatitis patients" (im selben Artikel).

Kleiner aber feiner Unterschied für den Kenner!

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Vielen Dank für die Unterstützung,
auch dieser Artikel beschreibt:
Möglich JA!! aber selten.
Selten, aber möglich!! (wie ich die ganze Zeit betone) und "vollständig sicher auszuschließen" (Zitat s.o)sind in der Medizin nunmal zwei ganz verschiedene Aussagen.
Aber der "Kenner" hat den kleinen aber wichtigen Unterschied längst wahrgenommen.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Sehr geehrter Herr Kollege Derma-h,

ich hab mir dann jetzt doch einmal die diesbezügliche Web-Seite der Uni-Düsseldorf angesehen.

Leider konnte ich dort nichts über eine "mögliche flare up -Reakionen eines atopischen Ekzems innerhalb von Stunden" finden - und auch sonst in der gesamten Weltliteratur ebenfalls nichts.

Wäre daher auf eine entsprechende Literaturstelle interssiert, wenn Sie diese Aussage weiterhin aufrechterhalten wollen.

Viele Grüße

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Copy and paste aus der allgemein gut zugängigen Leitlinie: "Vorgehen bei vermuteter Nahrungsmittelallergie bei atopischer Dermatitis":(s. Punkt 2)

Klinische Reaktionsmuster auf Nahrungsmittel bei atopischer Dermatitis

Provokationstests können bei Patienten mit atopischer Dermatitis zu drei unterschiedlichen Reaktionsmustern führen [6]:
1. nicht ekzematöse Reaktionen; in der Regel handelt es sich hierbei um IgE-vermittelte Symptome, die sich an der Haut als Pruritus, Urtikaria oder Flush-Reaktionen äußern können, sowie um andere Soforttypreaktionen des Gastrointestinal- oder Respirationstraktes sowie Anaphylaxie;
2. isolierte ekzematöse Spätreaktionen, d. h. in der Regel ein Aufflammen von Ekzemen nach Stunden oder ein bis zwei Tagen;
3. eine Kombination aus nicht ekzematösen Frühreaktionen und ekzematösen Spätreaktionen.

s.a
Allergy. 2004 Sep;59(9):988-94
Clin Exp Allergy 2005; 35: 268–73
J Allergy Clin Immunol 1999; 104: 466–-72

Keine "Weltliteratur", aber durchaus peer reviewed
..nu is aber gut

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Sehr geehrter Herr Kollege,

leider kann ich Ihr Problem nicht so ganz wirklich verstehen!

Sie beschreiben selbst:

"2. isolierte ekzematöse Spätreaktionen, d. h. in der Regel ein Aufflammen von Ekzemen nach Stunden oder ein bis zwei Tagen;
3. eine Kombination aus nicht ekzematösen Frühreaktionen und ekzematösen Spätreaktionen."

Genau die von mir dargstellt Meinung, Ekzemreaktionen treten nach bis zu 2 Tagen auf oder ggf. auch später (3-4 Tage) - doch wohl analog zum Epikutantest, der ja auch bis zu 72 Stunden abgelesen wird.

Ich hatte daher oben die Frage gestellt, wie man durch diese Goldstandardprovokationstestung derartige Spätreaktionen fassen wollte, wenn man in der Klinik (in der Praxis) lediglich einen Tag nachbeobachtet - oder haben Sie diesbezügliche andere Hinweise.

Derartige Veröffentlichungen sind doch bereits daher von vornherein ad absurdum geführt.

Sie werden mir doch wohl sicherlich bestätigen können, dass eine sinnvolle Nachbeobachtung von 2-3 Tagen nach Gabe des Allergens niemals aus finanziellen Gründen von Seiten der Krankenkasse genehmigt werden würde.

Viele Grüße

PS: "Weltliteratur" heißt lediglich Literatur der ganzen Welt (gesammelt z.B. über PubMed oder Google), dies beeinhaltet jedenfalls keine Wertung deren Qualität.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Physiologie, Pharmakologie und Toxikologie

Natürlich gibt es die in der Literatur umfassend beschriebenen Glutenallergie (gegen eine spezifische Eiweisfraktion im Kleber) und dieses Protein ist nicht ur im Weizen. Der immunologische Rezeptor ist gut beschrieben. Die Krankheit ist erblich und nur durch Karenz behandelbar. Dia Diagnostikist (heute) einfach und sensitiv.
Das Krankheitsbild kann sehr unterschiedlich schwer ausgebildet sein, durch fortlaufende Antigenzufuhr wird es meist über Jahre dramatisch schlechter und endet in einer generalisierten intestinalen Entzündung mit Siechtum.
Die Krankheit ist ziemlich selten; die wenigsten Kollegen haben diese Krankheit in der Praxis gesehen.

Davon reden bezw. dazu fragen Sie vermutlich aber garnicht.
Sehr viel häufiger ist eine unspezifische - meist phasenweise ablaufende Ileitis und Colitis mit begleitendem erheblichem Malabsorptionssysndrom und reichlich (nahezu geruchloser) Flatulenz. (Die Gerüche sind abhängigt vom Konsum der "Beikost" z.B. reichlich Fleisch bezw. Cysteinhaltige Lebensmittel)

Meist findet sich bei einem Inulin/Lactose Test ein "leaky gut syndrom" und eine (nicht nur auf Milchzucker beschränkte) Disaccharidase - Schwäche. (Die Folge einer Zottenatrophie, es kommt nicht mehr zur Ausreifung dieser relativ im Lebenszyklus der Darmepithelzellen spät erscheinenden Expression dieser E>nzyme.

Die Ursache ist viefältig, fast immmer steht eine nicht erkannte Unverträglichkeit gegen einen Nahrungsinhaltsstoff am Anfang.

Im Falle von Getreide sind das fast immer die die Körner kontaminierenden Pilze. Gegen viele Toxine aber auch banale Wandbaubestandteile (Ergosterol) haben wir eine angeborene Immunität. Diese ist nicht durch die bei der erworbenen Immunität charakteristischen Antiköper gekennzeichnet.

Ich Schlage vor, mal auf alle industriell hergestellten Getreideprodukte zu verzichten, die Körner im Bioladen nach bedarf zu kaufen und auf einem großen Tablett bei guter Sicht handzuverlesen. Sie werden Sich wundern, was da alles an merkwürdigen Gebilden übrigbleibt.

Dan mahlen Sie das Mehl selbst (für max zwei Tage im Voraus) und backen das Brot (oder den Teig für Kuchen) selbst in einem Brotbackautomaten.

Diese Therapie ist für unter 100 € durch Käufe bei Ebay zu machen und spart im Laufe von zwei Jahren richtig Geld.
(Nach zwei bis drei Jahren sind die Backmaschinen kaputt)

Leider nicht zu Kosten der gesetzlichen KV abrechenbar.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen
GS

Davon reden Sie vermutlich aber nicht.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Ich beobachte die Diskussion mit grosten Interesse. Fürchte aber, dass jemanden, der "... garantiere meinen Patienten innerhalb von 14 Tagen vollständige Erscheinungsfreiheit", schwer zu überzeugen wird.
Anderseits hat der Kollege damit "Wie aber laufen diese Provokationstestungen ab: an eine Tag wird das Verum exponiert, dann ein Tag Beobachtungspause, dann 1 Tag Placebo und wieder ein Tag Pause." vollig recht.

Sonst sind nicht erwähnt worden z. B.: Spätreaktionen, die durch Leukotriene getriggert werden, kreuzallergische Reaktionen, IgG4-Reaktionen.

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Abschließend nochmal eine Antwort auf die Frage:
"Wie aber laufen diese Provokationstestungen ab?"

so!!!

Copy paste aus der Leitlinie:

Tabelle 4. Ablauf von repetitiven Provokationstests bei atopischer Dermatitis
Tag 1a Titration von Verum bis zur altersentsprechenden Tagesdosis
Tag 2a Verum (altersentsprechende Tagesdosis)
Tag 3 Beobachtung
Tag 4a Titration von Plazebo
Tag 5a Plazebo (in gleicher Menge wie Verum am Tag 2)
Tag 6 Beobachtung
a Verum bzw. Plazebo (Tage 1 und 2 bzw. 4 und 5) werden bei der doppelblinden Provokation in zufälliger Reihenfolge verabreicht.

Wer redet von 3 Tagen?
Wer behauptet, diese Testungen werden immer stationär durchgeführt? Provokationen können in entsprechenden Zentren durchaus ambulant durchgeführt werden.
Wir führen hunderte Provakationstestungen ambulant wie stationär durch, es wird so lange nachbeobachtet wie es medizinisch notwendig erscheint! Alle mir bekannten Zentren füren Provokationen in dieser Art durch. Die Behauptung es wird in den Kliniken nur ein Tag nachbeobachtet ist falsch! Der Eindruck mag entstehen, weil häufig 1 Tag stationär beobachtet wird um ev. zu erwartende gefährliche Soforttyp-Reaktionen (oder verzögerte Soforttyp-Reaktionen) abfangen zu können.

1 von 2 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Nun mal zurück zum Ausgangsproblem: "...durch Weizenkarenz ein hartnäckiges Ekzem zum Verschwinden gebracht."
Weshalb das Ekzem sowohl aufgetreten als auch verschwunden ist, wird nie eindeutig zu klären sein. Es ist müßig, sich darüber zu streiten. Der eine hat die Erfahrung gemacht, der andere jene. Leitlinien hin, Weltliteratur her...

Ich halte bei Ekzemen -gerade im Rahmen von Neurodermitis- Diätempfehlungen für nicht notwendig. Besserungen werden zwar gern darauf zurückgeführt (irgendwas muss es doch sein!!), aber was man auch versucht -es ist unspezifisch!

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

"Sonst sind nicht erwähnt worden z. B.: Spätreaktionen, die durch Leukotriene getriggert werden, kreuzallergische Reaktionen, IgG4-Reaktionen."

Wieso sind wohl von fachlich kompetenten Kollegen IgG4-Reaktionen nicht erwähnt worden....

Diese vollständig unnötigen Reihentestungen mit anschließend noch unsinnigeren Diätempfehlungen werden üblicherweise von den allgemeinmedizinischen Kollegen veranlasst. Wie auch z.B. in dem Beitrag "chronischer Husten" nachzulesen, sogar in diesem Zusammenhang.

Würde mich einmal an dieser Stelle interessen, was diese Kollegen sich dabei denken, wenn Sie diese Diagnostik veranlassen...

Die gängige allergologische Fachliteratur, die diesbezüglich ziemlich eindeutig Stellung bezieht, kennen Sie jedenfalls ganz offensichtlich nicht; es würde mich daher einfach interessieren auf welche Hinweise Sie sich verlassen.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

"Ich halte bei Ekzemen -gerade im Rahmen von Neurodermitis- Diätempfehlungen für nicht notwendig. Besserungen werden zwar gern darauf zurückgeführt (irgendwas muss es doch sein!!), aber was man auch versucht -es ist unspezifisch!"

Eben nicht. Bei einem umschriebenen chronischen Ekzem handelt es sich um eine Autoimmunreaktion, wie weiter oben schon angeführt. Dank sei hier Prof. Bieber, Bonn, der hier die grundlegenden Arbeiten zum Verständnis geleistet hat.

Er hat im übringen durch seine Forschung bestätigt, was ich in der Praxis schon bei zahlreichsten Patienten bestätigen konnte.

Die Lichttherapie mit UVB 311 nm unterdrückt durch seine immunsupprimierende Wirkung die Autoimmunreaktion bei ausgeprägteren Ekzemen zuverlässig. Eine 1xwöchentliche Bestrahlung reicht hier vollständig aus.

Bei umschriebenen Herde kann man dagegen mit einem Calcineurininhibitor, wie dem Tacrolimus oder dem Piemecrolimus, ebenfalls mit einer ca. 1-2xwöchentlichen Anwendung die Autoimmunreaktion sicher und nebenwirkungsfrei unterdrücken.

Ich erkläre meinen Patienten mit einem chronischen Ekzem daher immer, dass Sie ungefähr so lange, nach Abklingen der akuten Ekzemreaktion, nachbehandeln müssen, wie lange das Ekzem schon bestanden hat. Vermutlich reichen jedoch maximimal ca. 3-6 Monate aus, bis diese Autoimmunreaktion wieder "vergessen" wird.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

...dann haben Sie in Ihrer Praxis keine Neurodermitis- Fälle mehr?!?

1 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Es dürfte so sein.
Wenn man so kompliziertes immunologisches Geschehen (und nicht immer das Gleiche!) wie Ekzem immer mit Lichttherapie und "Äxten" wie Tacrolimus heilen kann, dann stimmt sofort vieles nicht.

Das grundliche aktuelle Wissen über die feine immunologische Vorgänge im Körper sind notwendig, um hier sich überhaupt orientieren zu können. Ohne das ist alles leere Behauptungen, die sich auf vorgestrigen Wissenkonsensus bzw. Leitlinien stützen.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

"...dann haben Sie in Ihrer Praxis keine Neurodermitis- Fälle mehr?!?"

Könnte man fast so meinen. - Natürlich habe ich Ekzem-Patienten in der Praxis en masse, aber so richtig ausgeprägte Fälle mit generalisiertem undd dazu noch so richtig superinfiziertem Befund leider nur noch sehr selten. Irgendwie scheinen die mittlerweile alle abgearbeitet zu sein.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Na ja,

leider haben Sie folgende Frage noch nicht beantwortet:

""Sonst sind nicht erwähnt worden z. B.: Spätreaktionen, die durch Leukotriene getriggert werden, kreuzallergische Reaktionen, IgG4-Reaktionen."

Wieso sind wohl von fachlich kompetenten Kollegen IgG4-Reaktionen nicht erwähnt worden....?"

Jetzt werfen Sie eine erneute Behauptung auf, ohne jegliche Belege:

"Das grundliche aktuelle Wissen über die feine immunologische Vorgänge im Körper sind notwendig, um hier sich überhaupt orientieren zu können. Ohne das ist alles leere Behauptungen, die sich auf vorgestrigen Wissenkonsensus bzw. Leitlinien stützen."

Es wäre doch wirklich einmal schön, wenn Sie uns durch detailliertere Informationen an Ihrem Wissen teilnehmen lassen könnten, sonst hätte diese Plattform wohl kaum jeglichen Sinn.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Na gut,
dann zuerst zum Immunsystem. Die Benutzung von der „immunsupprimierender Wirkung die Autoimmunreaktion“ kann behilflich sein. Dabei wäre ein klares Verständnis am Platz, dass es dabei um keine Heilung, sondern um die breit praktizierende bei verschiedenen Krankheiten Unterdrückung von Symptomen handelt. Die Behauptung, dass „reichen jedoch maximal ca. 3-6 Monate aus, bis diese Autoimmunreaktion wieder "vergessen" wird“, ist nur in seltenen Fällen richtig – Immunsystem „vergisst“ so was für immer sehr selten. Das zeigt sich aber nicht immer an gleicher Stelle und in gleicher Form. Dafür sorgen die Kreuzallergien.
Sogar wenn es wieder an alter Körperpartie aufflammt, liegt gar nicht unbedingt das gleiche immunologische Störmuster zu Grunde. Es kann sich eine Aktivierung von Th-1-Lymphozyten und Makrophagen mit Infiltratsbildung an einem solchen Geschehen beteiligen. Kann aber ein anderen Weg gehen. Dann wird eine Aktivierung von zytotoxischen Lymphozyten gegen Zellgebundene Ag mit Lyse der betroffenen Zellen zu Grunde liegen.
Man kann in beiden Situationen immunsuprimierend wirken. Sollte man aber auch an eine immunmodulierende Wirkung besonders bei häufigen Rezidiven denken. Immunsystem nimmt mal „Time-out“, „vergisst“ leider nichts. Und Patienten mit Rezidiven suchen dann beim ersten oder zweiten Mal eine andere Praxis.

Jetzt zu Ig4. Sogar die Kreuzallergie wurde von relativ kurzer Zeit verneint. Genau so ist es auch mit Ig4-vermittelten Reaktionen. Sie kommen vermutlich nicht so oft vor, wie von manchen behauptet wird. Aber in chronischen hartnäckigen Fällen, wo man nicht weiter kommt (ich meine andere Praxen), ist es bestimmt Versuchswert. Die allgemeine Ablehnung „von fachlich kompetenten Kollegen“, die noch vom Kurzen herrschte, ist heute auch schon nicht so einheitlich. So das es heute sogar die private KK diese Untersuchung meistens erstatten.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Ich darf bezüglich IgG/IgG4 auf den sicherlich bekannten Prof. Wüthrich hinweisen, der diese Testungen bez. der Diagnostik von Nahrungmittelallergien als "Patientenabzocke" bezeichnet.

http://www.alles-zur-allergologie.de/Alle ... .html

Welchen Stellenwert die IgG-Diagnosik bei der Abklärung eines chronischen Ekzems besitzt, erschließt sich mir jedoch in so gar keiner Weise.

Wäre jedoch bei entsprechendem Hinweis auf die eine oder andere diesbezügliche Literaturstelle gerne bereit mich einmal einzulesen.

Vielen Dank im voraus.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin, Innere Medizin (ohne Schwerpunkt)

Liebe Kollegen,

Wie so oft scheint es keine eindeutige Antwort zu geben. Ich verfolge mit großem Interesse, worüber ich mich alles belesen könnte...
Nebenbei scheine ich doch ein Fass geöffnet zu haben.

MfG

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Kollege Irion!

Nicht das ich da alles zustimme aber versuchen Sie mal "andere Seite" zu verstehen. Z.B.:

Erfahrungsheilkunde 7/2007, B. 56;S. 400-406

"Zur Relevanz der Bestimmung von spezifischen IgE und spezifischen IgG/IgG4 in der Aufdeckung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten"
Da gibt es auch interessante Literaturhinweise.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

"Wie so oft scheint es keine eindeutige Antwort zu geben."

Werter Herr Kollege,

dazu kann ich nur noch wiederholen, wie ich dies meinen Patienten gegenüber auch so darstelle, wenn die mir mal eben damit kommen, aber "der andere Arzt hat doch gesagt"....

Es gibt genau eine richtig Meinung und unendlich viele falsche. - Ich für meinen Teil bemühe mich durch meine berufliche praktische Erfahrung, z.B. über 34.000 Patienten in ca. 7 Jahre Praxistätigkeit und entsprechendem Literaturstudium, dies zu optimieren.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

"Es gibt genau eine richtige Meinung und unendlich viel falsche..."

Genau das gibt es eben nicht, lieber Kollege Irion!
Nicht mal in der Medizin. Oder gerade nicht in der Medizin. Die Medizin ist und bleibt eine Erfahrungswissenschaft und keine exakte Naturwissenschaft!! Sie können mit Ihren Erfahrungen Entscheidungen treffen, die für den Patienten angemessen sind, aber das schließt nicht aus, dass ein anderer Kollege mit einer anderen Meinung zu diesem Thema nicht auch Recht hätte.

0 von 1 Mitgliedern fanden folgenden Kommentar hilfreich:

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Liebe Frau Kollegin Werrmann,

ich kann hier nicht über die Medizin im Allgemeinen sprechen, das würde mir wohl auch kaum zustehen, sondern tue dies für mein Fachgebiet die Allergologie.

Ich kann Ihnen jedenfalls versichern, das man hier von ausgesprochenem Detailwissen lebt, vielleicht möglicherweise wie in keinem anderen Fachgebiet der Medizin.

Welche klinische Relevanz besitzt ein Allergen ist hierbei für mich die entscheidende Frage. Um diese zu beantworten, benötigt man jedoch einen Überblick über die gesammte allergologische "Weltliteratur". Wie häufig wurden z.B. Berichte über entsprechende Allergien zum jeweiligen Allergen veröffentlich ist dabei für mich u.a. von entscheidender Bedeutung.

Wer macht mach sich jedoch schon einmal diese Mühe, frage ich Sie daher?

Da beruft man sich doch dann viel lieber auf die Medizin als "Erfahrungsheilkunde", macht ja auch weniger Mühe.

Ich sage meinen Patienten z.B. "wer in der Allergologie testet hat keine Ahnung" - und das meine ich auch so.

Die Allergologie ist jedenfalls keine Erfahrungswissenschaft sondern ausgesprochen exaktes Detailwissen.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Lieber Kollege Irion,

ich möchte fast behaupten, dass die Allergologie für mich ein Buch mit sieben Siegeln ist...

...aber dennoch behaupte ich, dass gerade die entscheidende Frage, nämlich die Frage nach der klinischen Relevanz eines Allergens nicht eindeutig zu beantworten ist.

Da laufen Kaskaden ab, da ist die Immunkompetenz des Einzelnen plötzlich von entscheidender Bedeutung, da reagiert man heute nicht, dafür aber morgen und umgekehrt...

Wenn Sie die "Weltliteratur" sichten, haben Sie auch nur ein Sammelsurium von Auftretenswahrscheinlichkeiten und keine unwiderlegbaren Fakten. Denn dann wäre es ja einfach.

Dr. ...Dr. ...
Allgemeinmedizin

Da, wo (besonders in der Medizin) nur „eine richtige Meinung“ gibt, möchte ich wieder leben noch praktizieren.

Ich denke dann auch in solchen Fällen an ein Satz, das nicht von einem berühmten Dichter sondern von einem Arzt wie wir stammt: „Die Erde ist eine Scheibe, und Chemo heilt Brustkrebs“, … BSP macht chronische Rückenschmerzen u.s.w.

Dr. ...Dr. ...
Dermatologie

Liebe Kollegen,

ich postuliere hier ganz sicherlich nicht über die Medizin im Allgemeinen noch über das Weltgeschehen im Besonderen....

Und ich kann daher hier nur über meine Fachgebiete, die Dermatologie und die Allergologie sprechen...

Ich kann Ihnen jedenfalls versichern, dass ich mich zunehmend bemühe, beide Fachgebiete zu einer "Wissenschaft" zu machen, in der nur eine exakte Meinung als Richtige anzuerkennen ist und die Erfahrungsheilkunde außen vor zu lassen ist.

Dr. ...Dr. ...
FA für Dermatologie

Liebe Kollegen,

ich kann als Dermatologe und Allergologe die Relevanz von Weizen, anderem glutenhaltigen Getreide, Milch, Eier und einige anderen Lebensmitteln des "täglichen Bedarfs" bei Neurodermitis und z.B. auch Handekzemen voll bestätigen.

Natürlich ist es unsinnig, einen IgG4- Test auf >300 Nahrungsmitteln für 400- 500€ zu veranlassen, ein gleicher Test auf 60 Allergene (inkl. "täglich Brot") für ca. 70€ kann sehr hilfreich sein.

Es gibt auch viele unsinnige IgE- Untersuchungen wenn Kollegen ein eigenes RAST- Labor betreiben...

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letzte Änderung: 8.5.2012 18:23