Akne & Rosazea: neue Wirkstoffe im Praxis-Check

Antiandrogene Strategien, ein neuer topischer Wirkstoff und eine besser verträgliche Benzoylperoxid-Formulierung: Die FOBI 2026 zeigte, wie die Therapie von Akne und Rosazea mit neuen Optionen für schwierige Verläufe erweitert wird.

Systemische Antiandrogene bei Akne

Prof. Dr. med. Martin Schaller machte deutlich, dass Androgene in der Pathogenese der Akne eine entscheidende Rolle spielen. Zwar lassen sich mit topischen Retinoiden, Antibiotika und Benzoylperoxid viele pathophysiologische Faktoren beeinflussen, die Talgdrüse selbst wird damit jedoch nicht direkt adressiert. Genau hier liegt ein therapeutisches Problem, das sich durch systemische antiandrogene Substanzen adressieren lässt.

Spironolacton ist als kaliumsparendes Diuretikum bekannt, besitzt aber auch einen antiandrogenen Mechanismus. In einer randomisierten, placebokontrollierten und doppelblinden Studie1 war Spironolacton wirksamer als Doxycyclin. Eine Gruppe erhielt über drei Monate Doxycyclin plus Benzoylperoxid, die andere über sechs Monate Spironolacton in einer Dosierung von 150 mg. „Entscheidend ist dabei der verzögerte Wirkungseintritt: Patientinnen sollten darauf vorbereitet werden, dass eine spürbare Besserung meist erst nach zwei bis drei Monaten einsetzt und der maximale Effekt häufig erst nach etwa sechs Monaten erreicht wird“, erläuterte Schaller.

Demnach war die Spironolacton-Therapie nach sechs Monaten nahezu dreimal so erfolgreich wie die Doxycyclin-Behandlung und auch bei Gesichts- und Stammakne signifikant überlegen. Schaller betonte, dass die Wirksamkeit nicht nur bei leichter Akne, sondern auch bei schwereren Verläufen relevant sein kann. Besonders profitieren Frauen mit hormonell geprägter Akne. Hinweise auf Sicherheitsbedenken wegen möglicher Hyperkaliämie fanden sich nicht. Spironolacton eignet sich auch als additive Option. Gerade bei Frauen kann die Kombination mit anderen Aknetherapien sinnvoll sein. 

Clascoteron als erster topischer Androgen-Antagonist

Clascoteron ist seit dem 1. Juni in Deutschland und Österreich verfügbar. Der Wirkstoff ist der erste topische Androgen-Antagonist für die Aknetherapie. Er bindet kompetitiv an den Androgenrezeptor, blockiert die Androgenbindung und hemmt dadurch nachgeschaltete entzündliche Signalwege. Im Unterschied zu Spironolacton wirkt Clascoteron nicht systemisch auf den Mineralokortikoidrezeptor, sondern gezielt auf den Androgenrezeptor-Komplex in der Haut.

Schaller stellte zwei Zulassungsstudien2,3 vor, in denen nach zwölf Wochen ein Therapieerfolg gemessen wurde. Der Anteil der Patienten, die erscheinungsfrei oder fast erscheinungsfrei waren, lag unter Clascoteron bei etwa 20 Prozent gegenüber rund 10 Prozent unter Placebo. Auch wenn dieser Effekt nach drei Monaten noch moderat erscheint, sind die Langzeitdaten besonders relevant. Nach insgesamt zwölf Monaten Therapie stieg der Anteil der erfolgreich behandelten Patientinnen auf etwa 50 Prozent. Das unterstreicht, dass Clascoteron vor allem als langfristige und kombinierbare Therapieoption gedacht ist.

Ein weiterer Vorteil: Clascoteron senkt die Sebumproduktion nach zwölf Wochen um rund 30 Prozent. Gerade Patienten mit ausgeprägter Seborrhoe können davon profitieren. Schaller betonte, dass der Wirkstoff vor allem in Kombination mit anderen Aknetherapien sinnvoll sei, etwa mit Fixkombinationen wie Benzoylperoxid plus Adapalen oder in Kombination mit Isotretinoin. In einer kleinen Studie4 zu 82 Patienten mit schwerer Akne war die Kombination aus Isotretinoin und topischer Androgenblockade nach 24 Wochen wirksamer als Isotretinoin allein. Unter der Monotherapie waren 72 Prozent erscheinungsfrei oder fast erscheinungsfrei, in der Kombination 92 Prozent.

Für die Anwendung gelten in Europa besondere Vorgaben. Vor Beginn muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden, während der Behandlung ist eine Kontrazeption erforderlich; sie soll bis zu zehn Tage nach der letzten Dosis fortgeführt werden. In den USA sind diese Vorgaben aufgrund der längeren Markterfahrung bereits gelockert. Für Europa steht eine Checkliste für Ärzte zur Verfügung. Zugelassen ist der Wirkstoff ab zwölf Jahren, die Anwendung erfolgt zweimal täglich im Gesicht und am Stamm. Bei Jugendlichen ist jedoch nur die Anwendung im Gesicht vorgesehen. Schaller ordnete Clascoteron als sehr sinnvolle Option zur additiven Therapie ein.

Rosazea: Mikroverkapseltes Benzylperoxid

Für 2027 kündigte Schaller eine Siliziumdioxid-Mikroverkapselung von Benzoylperoxid in fünfprozentiger Formulierung an. Benzoylperoxid ist in der Rosazea-Therapie nicht neu, war aber wegen der häufigen Hautreizung bislang nur eingeschränkt einsetzbar. Die neue Mikroverkapselung soll eine langsame, kontinuierliche Freigabe des Wirkstoffes in die Haut ermöglichen und damit die Verträglichkeit deutlich verbessern.

Nach einer Behandlung über zwölf Wochen5 waren etwa 50 Prozent der behandelten Patienten erscheinungsfrei oder fast erscheinungsfrei. Die Läsionszahl nahm um rund 70 Prozent ab. Besonders wichtig ist die Langzeitbeobachtung: In der Nachbeobachtungszeit von 40 Wochen waren etwa 70 bis 75 Prozent der Teilnehmenden völlig oder fast völlig erscheinungsfrei.

Klassisches Benzoylperoxid kann außerdem Schuppung, Juckreiz, Trockenheit, Brennen und Stechen auslösen. Durch die Mikroverkapselung traten diese Nebenwirkungen deutlich seltener auf und bewegten sich insgesamt im milden Bereich. Schaller verwies darauf, dass auch eine Kombination mit anderen Rosazea-Therapien, etwa Ivermectin, denkbar und möglicherweise besonders wirksam sein könnte.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Therapie von Akne und Rosazea differenziert sich zunehmend. Bei Akne rücken antiandrogene Strategien stärker in den Vordergrund, weil sie einen bislang unzureichend adressierten pathophysiologischen Mechanismus ansprechen. Spironolacton bleibt eine wichtige systemische Option, vor allem bei Frauen und bei hormonell geprägter Akne. Clascoteron erweitert das Spektrum um den ersten topischen Androgen-Antagonisten und könnte besonders in Kombinationstherapien relevant werden. Für die Rosazea eröffnet mikroverkapseltes Benzoylperoxid eine neue Möglichkeit, Wirksamkeit und Verträglichkeit besser zu verbinden.

Quellen

30. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie, 06.–10.07.2026, München. https://fortbildungswoche.de/. Veranstaltung: Plenarsitzung: What’s New 2024-2026. Akne, Rosazea und andere Gesichtsdermatosen. 10.07.2026.

  1. Dréno et al. (2024). Efficacy of Spironolactone Compared with Doxycycline in Moderate Acne in Adult Females: Results of the Multicentre, Controlled, Randomized, Double-blind Prospective and Parallel Female Acne Spironolactone vs doxyCycline Efficacy (FASCE) Study. Acta Derm Venereol. 2024 Feb 21;104:adv26002. doi: 10.2340/actadv.v104.26002. PMID: 38380975; PMCID: PMC10910526. 
  2. Hebert et al. (2020). Efficacy and Safety of Topical Clascoterone Cream, 1%, for Treatment in Patients With Facial Acne: Two Phase 3 Randomized Clinical Trials. JAMA Dermatol. 2020 Jun 1;156(6):621-630. doi: 10.1001/jamadermatol.2020.0465. PMID: 32320027; PMCID: PMC7177662. 
  3. Eichenfield et al. (2023). Long-Term Safety and Efficacy of Twice-Daily Topical Clascoterone Cream 1% in Patients Greater Than or Equal to 12 Years of Age With Acne Vulgaris. J Drugs Dermatol. 2023 Aug 1;22(8):810-816. doi: 10.36849/jdd.7592. PMID: 37556524. 
  4. Choi et al. (2025). Efficacy of oral isotretinoin monotherapy compared to combination isotretinoin and topical clascoterone for severe acne vulgaris: a multi-center retrospective study. J Dermatolog Treat. 2025 Dec;36(1):2525287. doi: 10.1080/09546634.2025.2525287. Epub 2025 Jul 11. PMID: 40643146. 
  5. Bhatia et al. (2023). Efficacy and Safety of Microencapsulated Benzoyl Peroxide Cream, 5%, in Rosacea: Results From Two Phase III, Randomized, Vehicle-Controlled Trials. J Clin Aesthet Dermatol. 2023 Aug;16(8):34-40. PMID: 37636253; PMCID: PMC10452484.