- Livingstone, Elisabeth, Prof. Dr. med, Neues zur Therapie bei Melanom, Dermatologische Onkologie, FOBI 2026, 8. Juli 2026, München.
Die Melanomtherapie steht auf verschiedenen Behandlungssäulen. Diese präsentierte Livingstone ihrer Zuhörerschaft:
Livingstone trug die Vor- und Nachteile der Immuntherapie bei Melanom vor. Sie erinnerte das Auditorium kurz an das Prinzip der Immuntherapie: Checkpoint-Inhibitoren blockieren hemmende Rezeptoren auf T-Zellen (PD-1, CTLA-4, LAG-3). So lösen sie eine Bremse des Immunsystems, das den Tumor dadurch stärker angreifen kann. Leider sprechen nicht alle Melanom-Patienten auf eine Immuntherapie an. Aktuell gestaltet es sich noch schwierig zu entscheiden, wer von einer Immuntherapie profitiert und bei wem mit Nebenwirkungen zu rechnen ist. Bei Therapieansprechen der Immuntherapie hingegen ist eine gute Langzeitwirkung möglich.1
Im gleichen Atemzug stellte Livingstone den Mechanismus zielgerichteter Melanomtherapien vor. Die doppelte Blockade von BRAF und MEK bringt laut Livingstone gegenüber einer alleinigen BRAF-Hemmung folgende Vorteile mit sich: Hohe Ansprechraten von bis zu 70 %, spätere und geringere Resistenzentwicklung sowie ein teilweise geringer ausgeprägtes Nebenwirkungsprofil.1
Livingstone betonte zudem, dass bei Vorliegen eines Melanoms der optimale Behandlungszeitpunkt entscheidend ist. In der Vergangenheit kamen die im Vortrag vorgestellten Substanzgruppen erst bei metastasiertem Melanom zum Einsatz - seit 2018 auch adjuvant. Künftig könnten die Substanzen auch neoadjuvant eingesetzt werden, also bereits vor der Operation der Lymphknotenmetastasen im Stadium III. Hierzu stellte Livingstone experimentelle Daten vor.1
Für die adjuvante Therapie im Stadium III liegen inzwischen beeindruckende Langzeitdaten vor: In der Placebo-kontrollierten Phase-III-Studie KEYNOTE-054 lag das rezidivfreie Überleben nach sieben Jahren unter Pembrolizumab bei 50 %, unter Placebo bei 36 %. Der Vorteil von rund 14 Prozentpunkten blieb damit über die Jahre erhalten. Die 8-Jahresanalyse der COMBI-AD-Studie zeigte ebenso ein verbessertes rezidivfreies Überleben unter adjuvantem Dabrafenib plus Trametinib beim BRAF-mutierten Melanom im Vergleich zu Placebo. Das Gesamtüberleben war numerisch, aber nicht statistisch signifikant verbessert.1
Die Wahl der Melanomtherapie sollte sich in der Praxis konsequent am BRAF-Mutationsstatus, am individuellen Rezidivrisiko sowie an der Nebenwirkungstoleranz der Patienten orientieren. Bei BRAF-Wildtyp bleibt die Immuntherapie die Standardoption der Systemtherapie; bei BRAF-Mutation kann je nach Tumordynamik auch die zielgerichtete Doppelblockade mit hohen Ansprechraten von bis zu 70 % sinnvoll sein. KEYNOTE-054 und COMBI-AD zeigen: Beide Substanzgruppen verbessern das rezidivfreie Überleben bereits im Stadium III deutlich, eine adjuvante Therapie sollte bei entsprechendem Risikoprofil daher aktiv angesprochen werden. Der Trend in der Melanomtherapie geht in Richtung immer früherer Intervention.