Das Wichtigste auf einen Blick zur Psoriasis nach COVID-19-Infektion und -Impfung:
- Nach COVID-19-Infektion wurde innerhalb von drei Monaten häufiger erstmals eine Psoriasis kodiert als nach COVID-19-Impfung.
- Das absolute Risiko war in beiden Kohorten niedrig, nach Infektion aber signifikant höher: Insgesamt bestand ein um 30 % erhöhtes Risiko für eine Psoriasis-Erstdiagnose.
- Nicht alle Psoriasis-Subtypen waren gleichermaßen betroffen. Besonders deutlich war der Unterschied bei arthropathischer Psoriasis und bei Pustulosis palmaris et plantaris.
- Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen sich aus den Daten keine kausalen Schlüsse ableiten.
Die Autoren führten eine große retrospektive Kohortenstudie auf Basis elektronischer Gesundheitsdaten aus dem US-Netzwerk TriNetX durch. Verglichen wurden Erwachsene mit dokumentierter COVID-19-Infektion ohne vorherige Impfung mit Erwachsenen, die gegen COVID-19 geimpft waren und bei denen zuvor keine Infektion dokumentiert worden war. Um die beiden Gruppen möglichst gut vergleichbar zu machen, erfolgte ein 1:1-Propensity-Score-Matching. Berücksichtigt wurden dabei 42 Begleitfaktoren, darunter demografische Merkmale, somatische und psychiatrische Begleiterkrankungen sowie bekannte Risikofaktoren für Psoriasis, etwa Adipositas, Nikotinabhängigkeit und Streptokokkeninfektionen. Nach dem Matching umfassten beide Kohorten jeweils 1.075.507 Personen.
Untersucht wurde, wie häufig zwischen Tag 7 und Tag 90 nach Infektion beziehungsweise nach Impfung erstmals eine Psoriasis kodiert wurde. Erfasst wurden dabei Psoriasisdiagnosen nach ICD-10-CM L40.0 bis L40.5. Zusätzlich analysierten die Autoren die einzelnen Subtypen getrennt, nämlich Psoriasis vulgaris, guttate Psoriasis, arthropathische Psoriasis, generalisierte pustulöse Psoriasis, Acrodermatitis continua und Pustulosis palmaris et plantaris.
Psoriasis häufiger nach Infektion als nach Impfung
Innerhalb von drei Monaten wurde nach einer COVID-19-Infektion häufiger erstmals eine Psoriasis diagnostiziert als nach einer COVID-19-Impfung. Die absoluten Zahlen waren zwar in beiden Gruppen niedrig – 0,046 % nach Infektion gegenüber 0,035 % nach Impfung –, der Unterschied war aber signifikant. Rechnerisch entsprach das einem um 30 % höheren Risiko nach Infektion als nach Impfung.
Dieser Unterschied scheint aber nicht alle Psoriasis-Subtypen gleichermaßen zu betreffen.
- Besonders deutlich war er bei der arthropathischen Psoriasis und bei der Pustulosis palmaris et plantaris: Hier war das Risiko nach Infektion um 44 % beziehungsweise 34 % höher als nach Impfung.
- Für die übrigen untersuchten Subtypen zeigte sich zwar ebenfalls durchweg dieselbe Tendenz, also eher höhere Werte nach Infektion; ein statistisch belastbarer Unterschied ließ sich dort aber nicht nachweisen.
Der Unterschied zeigte sich auch bei veränderten Kriterien
Die Autoren prüften außerdem, ob sich das Ergebnis auch dann zeigt, wenn andere Nachbeobachtungszeiten und leicht veränderte Einschlusskriterien zugrunde gelegt werden. Genau das war der Fall: Auch in diesen Zusatzanalysen wurde nach einer COVID-19-Infektion häufiger eine neue Psoriasis dokumentiert als nach einer Impfung. Besonders konstant blieb der Unterschied erneut für die arthropathische Psoriasis und für die Pustulosis palmaris et plantaris. Das spricht dafür, dass das Ergebnis insgesamt robust ist, auch wenn die Höhe des Effekts je nach Analyse etwas schwankte.
Wie belastbar sind die Ergebnisse?
Für den klinischen Alltag ist die Arbeit vor allem deshalb interessant, weil sie über Fallberichte hinausgeht. Bisher wurde über Psoriasis nach COVID-19-Infektion oder nach Impfung vor allem anhand einzelner Fälle und kleiner Fallserien diskutiert. Solche Publikationen erlauben aber keinen verlässlichen Vergleich der Häufigkeit. Genau diesen Vergleich liefert die vorliegende Analyse erstmals in großem Maßstab.
Auch wenn die Ergebnisse darauf hindeuten, dass nach einer COVID-19-Infektion häufiger erstmals eine Psoriasis diagnostiziert wurde als nach einer COVID-19-Impfung, sollten sie zurückhaltend eingeordnet werden. Aus dieser beobachtenden Analyse auf Basis von Routinedaten lässt sich keine Kausalität ableiten. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich in der Impfgruppe auch Personen mit bereits durchgemachter, aber nicht dokumentierter meist milder COVID-19-Infektion befanden. Umgekehrt könnten Patienten mit akuter Infektion zunächst eher nicht geimpft worden sein, sodass sich die beiden Gruppen bereits zu Beginn systematisch unterschieden. Weitere Beobachtungsstudien und Metaanalysen müssen nun zeigen, ob sich dieses Muster bestätigt und welche immunologischen Mechanismen hinter den unterschiedlichen Risiken nach Infektion und Impfung stehen.
- Preuß SL, Olbrich H, Bieber K, Vorobyev A, Moderegger EL, Kridin K, Zirpel H, Thaçi D, Gaffal E, Ludwig RJ, Curman P. COVID-19 Infection vs Vaccination and the Risk of New-onset Psoriasis. Acta Derm Venereol. 2026 Jan 8;106:adv44217. doi: 10.2340/actadv.v106.44217. PMID: 41508833; PMCID: PMC12800787.