Bewegung bei Brustkrebs: Stellschraube für mehr Wohlbefinden in der Therapie

Eine Brustkrebsbehandlung kann einige Nebenwirkungen mit sich bringen – körperlich wie mental. Bewegung kann während der Therapie das Wohlbefinden steigern, so Brustkrebsexperte Prof. Dr. Baumann.

Körperliche Aktivität kann Nebenwirkungen einer Brustkrebsbehandlung reduzieren

Es gibt inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Belege dafür, dass gezielte körperliche Aktivität die medizinischen Nebenwirkungen und Auswirkungen einer Brustkrebserkrankung vermindern beziehungsweise reduzieren kann. Dazu zählen unter anderem körperliche Faktoren wie zum Beispiel die Ausdauer, Kraft und Koordination, aber auch das sekundäre Lymphödem.
Darüber hinaus können psychische Parameter wie Ängste und Depressionen wirksam behandelt werden. Auch die Erschöpfung, das sogenannte Fatigue-Syndrom, kann durch Bewegung positiv beeinflusst und damit insgesamt die gesundheitsbezogene Lebensqualität gefördert werden. 

Mehr Bewegung während der Brustkrebstherapie: 3 Tipps für den Einstieg 

Nun fragen sich Brustkrebspatientinnen häufig, wie der Einstieg in die Bewegungsintervention am besten gelingen kann. Dazu sollten Sie Ihren Patientinnen Folgendes raten: 

  1. Starten Sie am Anfang mit moderaten und für Sie bekannten Bewegungsformen. Hier eignet sich beispielsweise der tägliche Spaziergang, der insbesondere unter der medizinischen Therapie von Anfang an durchgeführt werden sollte. 30-45 Minuten pro Tag, zum Beispiel auch in Intervallen mit einigen Pausen, sind sehr hilfreich und tun gut. Ziel während der medizinischen Therapie ist es, insbesondere Bewegungsmangelsymptome zu vermeiden. Hilfreich für Sie ist dabei insbesondere die Berücksichtigung von Sportarten und Bewegungsformen, auf die Sie Lust haben. Denn nur das, woran wir Freude haben, setzen wir auch langfristig und nachhaltig um. Des Weiteren ist es empfehlenswert, sich mit einer Partnerin zusammen zu tun oder einer Gruppe anzuschließen, denn soziale Bindungen verpflichten.
     
  2. Möchten Sie auch unter der medizinischen Therapie oder in der Nachsorge anstrengenden Sport umsetzen, so empfehlen wir zunächst die Untersuchung bei einem Sportmediziner oder einem Kardiologen, der insbesondere Ihre Organfunktion prüft. Darüber hinaus sollte anstrengender Sport unter Therapie zunächst immer von einem qualifizierten Bewegungstherapeuten angeleitet werden. Ärztinnen und Ärzte haben im Übrigen inzwischen auch die Möglichkeit, diese spezielle Bewegungstherapie zu verschreiben.
  3. Um Ihnen den Weg in die Bewegung zu erleichtern, empfehle ich Ihnen die App PINK! Coach als digitalen Begleiter für Ihren Alltag. Die App enthält neben Tipps für mehr Achtsamkeit und einem großen Ernährungsratgeber mit über 1000 Rezepten auch ein großes Bewegungsprogramm mit zahlreichen Übungen und Bewegungstipps, die auf Ihre individuelle Situation zugeschnitten sind. PINK! Coach ist für Sie kostenfrei erhältlich und kann von Ärzten und Psychotherapeuten auf Rezept verschrieben werden. 

Fazit: Lebensqualität bei Brustkrebs durch Bewegung steigern

Die Lebensqualität von Brustkrebsbetroffenen lässt sich selbst während der medizinischen Therapie durch regelmäßige Aktivität deutlich steigern. Durch moderate Bewegung können Betroffene nicht nur einen Einfluss auf die Nebenwirkungen nehmen, sondern auch dem Bewegungsmangel vorbeugen, der sich durch den sozialen Rückzug bei vielen Patientinnen oftmals einstellt.

Ermutigen Sie Ihre Patientinnen also, auch während der Therapie in Bewegung zu bleiben, denn das kann enorme positive Effekte auf das körperliche und psychische Wohlbefinden haben.

Über den Autoren Prof. Dr. Freerk Baumann

Prof Dr. Freerk Baumann hat seit 2021 eine Stiftungsprofessur für Onkologische Bewegungswissenschaften, Forschungs- und Lehrtätigkeit an der Uniklinik Köln. Er beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Bedeutung von Bewegung bei Krebserkrankungen und speziell bei Brustkrebs. Das Thema seiner Habilitation war "Körperliche Aktivität bei onkologischen Erkrankungen".

Seit 2010 ist Prof. Baumann Sportwissenschaftlicher Leiter der „Onkologischen Trainings- und Bewegungstherapie” (OTT) in Kooperation mit der Uniklinik Köln und der DSHS Köln, seit 2016 leitet er darüber hinaus die Arbeitsgruppe "Onkologische Bewegungsmedizin" am Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) der Uniklinik Köln. Er ist Gründer der "Nationalen Expertengruppe zu körperlicher Aktivität und Bewegungstherapie in der Onkologie (NEBKO)", angegliedert an die Deutsche Krebsgesellschaft. Prof. Baumann ist wissenschaftlicher Beirat von PINK!, der Kopf der sportwissenschaftlichen Konzepte der App PINK! Coach und die charmante Stimme der Videos im Bewegungsteil der App PINK! Coach.