Systemische Krebstherapie in der Schwangerschaft erhöht Risiko für Frühgeburt

Systemische Krebstherapien während der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für Frühgeburten. Für andere perinatale Komplikationen wie Fehlbildungen oder Wachstumsstörungen zeigen sich laut aktueller Evidenzlage keine signifikanten Unterschiede.

Perinatale Folgen bei systemischer Krebstherapie: ein Überblick

Die Übersichtsarbeit schloss fünf Kohortenstudien ein, in denen insgesamt 427 Kinder erfasst wurden, deren Mütter während der Schwangerschaft eine systemische Therapie erhielten. Die Kontrollgruppe bestand aus 283 Kindern ohne Exposition. 

Die Tumorerkrankungen umfassten:

Zum Einsatz kamen klassische Zytostatika, teils ergänzt durch Hormontherapien oder monoklonale Antikörper. Immun- oder zielgerichtete Therapien wurden in keiner der eingeschlossenen Studien untersucht.

Analysiert wurden perinatale Endpunkte wie Spontanaborte, Totgeburten, IUGR, SGA, Frühgeburten, Apgar-Scores, Geburtsgewicht, kongenitale Fehlbildungen oder Behinderungen, Aufnahmen auf die neonatologische Intensivstation sowie langfristige Entwicklungsparameter.

Frühgeburt: einzige signifikante Risikoerhöhung

Vier der fünf Studien lieferten vergleichende Daten zum Frühgeburtsrisiko bei exponierten versus nicht exponierten Frauen. In zwei Studien war das Risiko für Frühgeburten bei pränataler Exposition gegenüber systemischer signifikant erhöht. Die berichteten Odds Ratios lagen bei 12,00 bzw. 24,00. In den beiden weiteren Studien zeigte sich eine Tendenz zu einem erhöhten Risiko, jedoch ohne statistische Signifikanz.

Die Autoren der Übersichtsarbeit halten fest, dass die Effektgrößen zwischen den Studien zwar variieren, der Gesamttrend aber auf einen möglichen Zusammenhang zwischen pränataler Exposition gegenüber systemischer Therapie und einem erhöhten Risiko für Frühgeburten hinweist.

Als Ursachen diskutieren Forscher unter anderem die Exposition gegenüber der Therapie selbst sowie in einigen Fällen die Verschlechterung des maternalen Gesundheitszustands infolge der . Auch könnte die erhöhte Frühgeburtenrate durch medizinisch indizierte Entbindungen oder geplante Sectio caesarea bedingt sein – etwa um den rechtzeitigen Beginn oder die Fortführung der Chemotherapie zu ermöglichen

Fehlbildungen, IUGR und Totgeburt: keine signifikanten Unterschiede

Für andere diskutierte Risiken – insbesondere kongenitale Fehlbildungen, intrauterine Wachstumsrestriktion, Spontanaborte oder Totgeburten – fanden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen exponierten und nicht exponierten Kindern. Die beobachteten Raten lagen im Bereich der erwarteten Hintergrundprävalenzen. Auch Apgar-Scores und Geburtsgewichte wichen nicht zwischen den Gruppen ab.

Hinweise zu Langzeitfolgen: Datenlage bleibt schwach

Zur langfristigen Entwicklung exponierter Kinder liegen nur begrenzte Daten vor. Zwei Studien berichteten über jeweils einen Fall einer malignen Erkrankung im Jugendalter nach pränataler Exposition gegenüber Cyclophosphamid. 

Zwei Studien untersuchten Aspekte der kognitiven und allgemeinen Entwicklung im Alter zwischen 12 und 42 Monaten. Dabei zeigten sich keine Unterschiede in Bezug auf , schulische Leistung oder allgemeine Entwicklung zwischen exponierten und nicht exponierten Kindern. Eine belastbare Bewertung langfristiger Risiken ist jedoch angesichts fehlender groß angelegter prospektiver Studien derzeit nicht möglich.

Fazit

Die bisherige Evidenzlage zeigt, dass eine pränatale Exposition gegenüber systemischer Krebstherapie mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten einhergehen kann. Für andere perinatale Komplikationen wie Fehlbildungen, Wachstumsstörungen oder Totgeburten ergaben sich keine signifikanten Unterschiede.

Gleichzeitig betonen die Autoren, dass die Studienergebnisse aufgrund kleiner Fallzahlen, fehlender adjustierter Analysen und klinischer Heterogenität mit Vorsicht zu interpretieren sind.

Auch wenn die Arbeit wichtige Hinweise liefert, besteht weiterhin ein erheblicher Bedarf an hochwertigen, prospektiven Studien – insbesondere im Hinblick auf die langfristige Entwicklung der betroffenen Kinder sowie auf die Sicherheit neuerer Therapien während der Schwangerschaft.

Quelle:
  1. Farhana S, Frawley J, Safi N, et al. Perinatal outcomes for infants exposed to systemic cancer treatment during gestation: a systematic review and meta-analysis. BMJ Open. 2025;15(8):e084717. doi:10.1136/bmjopen-2024-084717.