Zwischen Schonung und Sofa: Wie viel Inaktivität verträgt eine Schwangerschaft?

Vielen Schwangeren wird zur Ruhe geraten, doch zu viel davon könnte einen Preis haben. Neue Sensordaten aus Schweden verknüpfen lange inaktive Phasen mit einem deutlich erhöhten Präeklampsierisiko.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Bewegung in der Schwangerschaft

  • Die schwedische Kohortenstudie wertete Bewegungsmuster von 1405 Schwangeren zwischen der 8. und 23. Schwangerschaftswoche aus.
  • Lange inaktive Phasen gingen mit einer höheren, mehr körperliche Aktivität mit einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit für Präeklampsie einher.
  • Bei Gestationshypertonie/-diabetes, Art der Geburt, verzögertem Geburtsverlauf und schwerer postpartaler Blutung zeigte sich kein vergleichbares Muster.
  • Eine Ursache-Wirkung-Beziehung lässt sich aus der Kohortenstudie nicht ableiten.

Die Studie wurde zwischen 2016 und 2023 durchgeführt. In die finale Auswertung gingen 1405 Schwangere ein. Voraussetzung waren ein Alter von mindestens 18 Jahren, eine Schwangerschaft im ersten oder zweiten Trimenon und ein unauffälliger Schwangerschaftsverlauf zum Zeitpunkt der Studienteilnahme. Mehrlingsschwangerschaften wurden nicht ausgewertet.

Die Bewegungsmuster wurden zwischen der 8. und 23. Schwangerschaftswoche erfasst. Dafür trugen die Frauen über sieben aufeinanderfolgende Tage tagsüber einen Bewegungsmesser am Handgelenk. Ausgewertet wurden zwei Messwerte: der Anteil der gemessenen Zeit, den die Frauen inaktiv verbrachten, und der Anteil mit moderater bis intensiver Bewegung. Leichte körperliche Aktivität wurde nicht ausgewertet, weil das verwendete Gerät sie nicht zuverlässig von anderen Aktivitätsstufen abgrenzen konnte.

Für beide Messwerte wurden Tertile gebildet. Bei der inaktiven Zeit verglichen die Forscher das Drittel mit den längsten inaktiven Phasen mit dem Drittel mit den kürzesten inaktiven Phasen. Bei der körperlichen Aktivität wurde das aktivste Drittel mit dem am wenigsten aktiven Drittel verglichen. In den Berechnungen wurden mögliche Einflussfaktoren wie BMI, Alter, Rauchen, Parität, Herkunft, Vorerkrankungen und Studienjahr berücksichtigt.

Lange inaktive Phasen mit höherer Präeklampsie-Wahrscheinlichkeit

In der Auswertung zeigte sich vor allem bei Präeklampsie ein klares Muster: Bei Frauen mit den längsten inaktiven Phasen trat sie häufiger auf als bei Frauen mit der kürzesten inaktiven Zeit (29 von 453 Frauen; 6,4 % vs. 11 von 456 Frauen; 2,4 %). Nach Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren wie Alter und BMI war die Wahrscheinlichkeit gut dreimal so hoch (AOR 3,22).

Bei den übrigen untersuchten Endpunkten, also für Gestationshypertonie und Gestationsdiabetes, die Art der Geburt, Verzögerungen des Geburtsverlaufs und schwere postpartale Blutungen zeigte sich kein vergleichbares Signal.

Mehr Aktivität, weniger Präeklampsien

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der körperlichen Aktivität. Im aktivsten Drittel war eine Präeklampsie seltener als im am wenigsten aktiven Drittel (10 von 456 Frauen; 2,2 % vs. 32 von 452 Frauen; 7,1 %). Nach Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren lag die Wahrscheinlichkeit deutlich niedriger (AOR 0,22).

Für die anderen Endpunkte fanden die Autoren auch in dieser Auswertung keinen Zusammenhang mit der Alltagsaktivität.

Fazit

Die schwedische Kohortenstudie zeigt einen möglichen Zusammenhang zwischen Bewegungsmustern in der frühen bis mittleren Schwangerschaft und dem späteren Präeklampsierisiko. Für die Beratung gesunder Schwangerer stützt sie damit eine einfache Botschaft: Körperliche Aktivität bleibt sinnvoll, und lange inaktive Phasen im Alltag sollten möglichst reduziert werden. Konkrete Grenzwerte lassen sich aus den Daten jedoch nicht ableiten.

Es gibt mehrere Gründe, die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren. Die Studie zeigt nicht, dass lange inaktive Phasen direkt eine Präeklampsie verursachen oder dass Aktivität sicher davor schützt. Möglich ist auch, dass frühe Beschwerden, Vorerkrankungen oder andere nicht vollständig erfasste Faktoren sowohl das Bewegungsverhalten als auch das spätere Risiko beeinflusst haben. Hinzu kommt, dass die Bewegungsmuster nur einmal über sieben Tage gemessen wurden. Ob sich das Aktivitätsniveau im weiteren Verlauf der Schwangerschaft veränderte, blieb offen. Auch leichte Alltagsbewegung floss nicht in die Auswertung ein.

Quelle:
  1. Lindberger, E., Ahlsson, F., Johansson, H. et al. Maternal sedentary behavior and physical activity levels in early to mid-pregnancy and obstetric outcomes: a cohort study. Sci Rep 15, 35575 (2025). https://doi.org/10.1038/s41598-025-23335-x.