Atemtraining als neue Option bei Reflux?

Eine systematische Übersichtsarbeit geht der Frage nach, ob ein gezieltes Atemmuskeltraining die antirefluxive Barriere beeinflussen und Refluxsymptome lindern kann.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Refluxkrankheit und Atemtraining

  • Inspiratorisches Muskeltraining (IMT) soll die Atemmuskulatur, einschließlich des Zwerchfells, als Bestandteil der antirefluxiven Barriere kräftigen.
  • Drei klinische Studien mit insgesamt 98 Teilnehmern untersuchten IMT bei GERD.
  • Verbesserungen der inspiratorischen Muskelkraft und der Zwerchfellbeweglichkeit wurden in einer Studie beobachtet.
  • Für Refluxsymptome ergaben sich keine konsistenten Effekte.
  • Manometrische Parameter besserten sich nicht.
  • Die Evidenzbasis ist begrenzt; eindeutige klinische Schlussfolgerungen sind derzeit nicht möglich.

Warum Atemmuskeln für Reflux relevant sein könnten

Bei Patienten mit GERD wurden funktionelle Veränderungen des Zwerchfells beschrieben, die die Stabilität der antirefluxiven Barriere beeinträchtigen können. Dazu zählen eine verminderte Kraft der inspiratorischen Muskulatur sowie eine unzureichend koordinierte Zwerchfellkontraktion. Diese funktionellen Defizite können dazu beitragen, dass der gastroösophageale Übergang seine Barrierefunktion weniger effektiv erfüllt.

Inspiratorisches Muskeltraining setzt hier an, indem es gezielt die Kraft und Leistungsfähigkeit der Atemmuskulatur – einschließlich des Zwerchfells – trainiert.

Was die Übersichtsarbeit untersucht hat

In der Metaanalyse wurden drei klinische Studien mit insgesamt 98 Teilnehmern eingeschlossen. Davon litten 91 Personen an GERD, sieben waren gesunde Kontrollpersonen. Eine Studie war randomisiert kontrolliert, zwei hatten ein nicht-randomisiertes Interventionsdesign.

Das inspiratorische Muskeltraining wurde über Schwellenatemgeräte durchgeführt, je nach Studie über einen Zeitraum von vier bis acht Wochen, ein- bis zweimal täglich und mit Trainingsintensitäten zwischen 30 und 60 % der maximalen inspiratorischen Druckkraft. Die methodische Qualität der einzelnen Studien wurde insgesamt als mäßig bis gut eingestuft, die Fallzahlen waren jedoch klein (je nach Studie n=12–25).

Nicht alle Studien untersuchten dieselben Endpunkte. Erfasst wurden – je nach Arbeit – Parameter der inspiratorischen Muskelkraft, der Zwerchfellfunktion, Refluxsymptome sowie manometrische Messgrößen am gastroösophagealen Übergang. Diese Heterogenität schränkt die Vergleichbarkeit der Ergebnisse ein.

Atemmuskulatur und Zwerchfell: Hinweise auf Nutzen, aber kein einheitliches Bild

In zwei der drei Studien wurde die maximale inspiratorische Druckkraft (MIP) als Maß für die Atemmuskelkraft untersucht. In einer dieser Studien zeigte sich unter inspiratorischem Muskeltraining ein signifikanter Anstieg der MIP gegenüber der Kontrollbedingung, während in der anderen kein signifikanter Unterschied nachweisbar war.

Die Zwerchfellexkursion wurde ausschließlich in einer Studie erfasst. Dort nahm die gemessene Bewegung des rechten und linken Zwerchfells nach vierwöchigem Training signifikant zu (p < 0,001).

Refluxsymptome: allenfalls kurzfristige Effekte

Refluxsymptome wurden in zwei der eingeschlossenen Studien analysiert. Insgesamt zeigten sich dabei keine konsistenten signifikanten Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppen.

In einer der Studien fand sich lediglich zu einem einzelnen Messzeitpunkt – in der vierten Trainingswoche – ein signifikanter Unterschied im GERD-Q-Score zwischen den Gruppen (1,84 ± 2,17 vs. 3,32 ± 1,49; p = 0,015). Zu früheren Zeitpunkten bestanden keine signifikanten Unterschiede.

Keine nachweisbaren Effekte auf sphinkterbezogene Druckparameter

Zwei der eingeschlossenen Studien befassten sich mit den Auswirkungen auf Druckparameter des unteren Ösophagussphinkters bzw. des ösophagogastralen Übergangs. In beiden Arbeiten ergaben sich hierbei keine messbaren Effekte des inspiratorischen Muskeltrainings im Vergleich zur Kontrollbehandlung.

Fazit

Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit ist die erste, die den Einsatz des inspiratorischen Muskeltrainings bei Patienten mit GERD systematisch zusammenfasst. Insgesamt sehen die Autoren im inspiratorischen Muskeltraining einen physiologisch plausiblen, jedoch bislang unzureichend belegten Ansatz. Die Übersichtsarbeit erlaubt damit keine abschließende Bewertung des therapeutischen Nutzens, sondern zeigt vielmehr eine Forschungslücke auf: Es bedarf methodisch robuster randomisierter Studien mit klar definierten klinischen Endpunkten, um den möglichen Stellenwert von IMT als nicht-pharmakologische Ergänzung in der Behandlung der GERD verlässlich beurteilen zu können.

Quelle:
  1. Syropoulos, S.; Moutzouri, M.; Grammatopoulou, E.; Patsaki, I. The Effect of Inspiratory Muscle Training on Gastroesophageal Reflux Disease Characteristics: A Systematic Review. Gastroenterol. Insights 2025, 16, 7. https://doi.org/10.3390/gastroent16010007