Erstlinientherapie der AIH auf dem Prüfstand

Die Erstlinienbehandlung der Autoimmunhepatitis (AIH) basiert auf Studien der 1960er und 70er Jahre. Höchste Zeit für eine Aktualisierung.

Im Überblick

Das Manko bei der aktuellen Erstlinienbehandlung der AIH: Ein Überlebensvorteil der steroidbasierten Behandlung konnte bislang nicht schlüssig nachgewiesen werden. Außerdem bleibt unklar, ob alle Patienten mit AIH Steroide benötigen oder ob es Untergruppen gibt, die davon nicht profitieren. Und schließlich bleiben auch hinsichtlich der steroidsparenden Mittel offene Fragen.

Diesen offenen Fragen sind Wissenschaftler aus Sheffield nachgegangen. In ihrer Metaanalyse schlossen sie 7 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und 18 Kohortenstudien ein. Endpunkte waren Mortalität/, biochemische Response und unerwünschte Wirkungen. Folgende Forschungsfragen standen im Vordergrund:

  1. Ist die Verwendung von Kortikosteroiden (mit oder ohne steroidsparenden Mitteln) mit einer besseren transplantationsfreien Überlebensrate (im Vergleich zu keiner Steroidbehandlung) bei verschiedenen Patienten-Subgruppen verbunden?
  2. Ist die Erstlinienbehandlung mit besseren Ergebnissen und/oder weniger unerwünschten Ereignissen verbunden als die Vergleichssubstanzen (Budesonid vs. Prednisolon, Mycophenolat vs. Azathioprin und hohe vs. niedrigere Prednisolondosis)?

Steroide bei AIH: Überlebensvorteil für alle Patientengruppen 

Die Forscher fanden insgesamt einen signifikanten Überlebensvorteil der steroidbasierten Therapie (RR 0,38, 95 % KI 0,20 bis 0,74). Auch verschiedene Subgruppen (mit asymptomatischer AIH, ohne Zirrhose, mit dekompensierter Zirrhose) profitierten von der Steroidbehandlung. Allerdings führten höhere Anfangsdosen von Predniso(lo)n (> 35–40 mg/Tag oder 0,5 mg/kg/Tag) weder zu einem längeren Überleben noch zu einer besseren Response, verursachten aber mehr . 

Der Vergleich mit Budesonid ergab, dass das Steroid nicht wirksamer als Predniso(lo)n ist, aber weniger „kosmetische“ Nebenwirkungen wie Akne, Cushing-Syndrom, Striae und Stiernacken verursacht. Bei der steroidsparenden Komponente erwies sich Mycophenolat hinsichtlich der Response als genauso wirksam wie Azathioprin und gleichzeitig besser verträglich. So musste es weniger oft abgesetzt werden als Azathioprin. 

Mycophenolat als mögliche Alternative zu Azathioprin 

Die Studienautoren sehen die Vorteile einer steroidbasierten Behandlung der AIH hinsichtlich der Gesamtmortalität als bestätigt an – insgesamt sowie bei verschiedenen Subgruppen. Lediglich in einer Kohortenstudie fand sich bei Patienten mit leichter AIH kein Zusammenhang zwischen Steroiden und dem transplantationsfreien Überleben. Bei diesen Patienten könne eine Verschiebung der Behandlung gelegentlich gerechtfertigt sein, so die Autoren.

Bei Bedenken hinsichtlich Nebenwirkungen von Predniso(lo)n könne Budesonid eine besser verträgliche Alternative sein. Mycophenolat wiederum könne anstelle von Azathioprin als steroidsparendes Mittel der ersten Wahl angesehen werden. Allerdings sei bei Patientinnen im reproduktiven Alter aufgrund der der Substanz auf eine sichere Verhütung zu achten.  

Quellen:
  1. Gleeson D et al. What is the optimal first-line treatment of autoimmune hepatitis? A systematic review with meta-analysis of randomised trials and comparative cohort studies. BMJ Open Gastroenterology 2025; 12: e001549.