Früher erkennen, gezielter handeln: Warum erhöhte Leberwerte heute mehr verlangen als ALT und AST

Leicht erhöhte Transaminasen gehören zum Praxisalltag – doch wann steckt bereits eine relevante Fibrose dahinter? Prof. Pavel Strnad klärt im Interview auf dem DGIM-Kongress auf.

Erhöhte Leberwerte: Wann Beobachten nicht mehr reicht

Leicht erhöhte ALT- und AST-Werte gehören längst zur internistischen Routine – besonders bei Patienten mit Übergewicht, Diabetes oder regelmäßigem Alkoholkonsum. Entscheidend ist laut Prof. Pavel Strnad deshalb nicht nur die Höhe der Transaminasen, sondern das Gesamtmuster der Befunde.

Im Interview erklärt er, warum bereits die erste Differenzierung zwischen hepatozellulären und cholestatischen Konstellationen die weitere Diagnostik steuert. Gerade bei cholestatischen Mustern sei der frühe Ultraschall essenziell, um Gallenwegspathologien oder tumoröse Ursachen nicht zu übersehen.

Warum ALT und AST allein zu kurz greifen

Transaminasen zeigen nur eine Momentaufnahme. Die eigentliche klinische Dynamik einer chronischen Lebererkrankung entsteht jedoch über Jahre. Genau deshalb rückt die Fibrose heute ins Zentrum der Risikobewertung.

Prof. Strnad beschreibt, warum Fibrosemarker die entscheidende Information liefern: Sie zeigen, ob aus kurzfristiger Leberschädigung bereits struktureller Umbau geworden ist. Für die Praxis bedeutet das einen Perspektivwechsel – weg vom isolierten Laborwert, hin zur langfristigen Risikostratifizierung.

Fibrose-Scores als Werkzeug für die Praxis

Besonders relevant für Internisten: Viele Fibrose-Surrogate lassen sich ohne Zusatzkosten bestimmen. Scores wie APRI oder FIB-4 helfen dabei, Patienten früh zu triagieren und relevante Fibrosegrade zu erkennen.

Im Interview erläutert Prof. Strnad außerdem, warum derselbe Fibrosegrad klinisch völlig unterschiedlich bewertet werden muss – abhängig von Alter, Komorbiditäten und Gesamtrisiko des Patienten.

Neue Therapien erhöhen den Druck zur frühen Diagnose

Mit den ersten medikamentösen Optionen bei MASLD mit Fibrose verändert sich auch die diagnostische Verantwortung im Praxisalltag. Fibrose wird zunehmend zur Voraussetzung für Therapieentscheidungen – und damit zum zentralen Selektionskriterium.

Prof. Strnad macht deutlich, warum Hepatologie dadurch aus dem Spezialzentrum stärker in die internistische Breitenversorgung rückt und weshalb die strukturierte Fibrose-Diagnostik jetzt deutlich relevanter wird.

Diese Warnsignale gehören früh ins Zentrum

Klar erhöhte Transaminasen – insbesondere fünffach oder höher – bleiben ein akutes Alarmsignal. Entscheidend sind laut Prof. Strnad aber auch die oft unterschätzten Syntheseparameter der Leber.

Erhöhtes Bilirubin, eingeschränkte Gerinnung, erniedrigtes Albumin oder Thrombozytopenie können bereits auf fortgeschrittene Fibrose oder beginnendes Leberversagen hinweisen. Welche Kombinationen besonders kritisch sind und wann keine Zeit mehr verloren werden darf, erklärt er im Gespräch vom DGIM-Kongress.

Mehr vom DGIM Kongress: Praxisrelevante Interviews und aktuelle Einordnungen

Dieser Artikel entstand im Rahmen des 132. DGIM-Kongresses. Weitere Highlights vom DGIM 2026 finden Sie in unserer Kongressberichterstattung.