- Camilleri E, Shahbabai P, Rad M, et al. Direct Oral Anticoagulant Levels at Time of Elective Surgery. JAMA Netw Open. 2026;9(2):e2555875. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.55875.
In die prospektive Kohortenstudie wurden 257 erwachsene Patienten aus zwei niederländischen Kliniken eingeschlossen. Alle erhielten Apixaban, Dabigatran oder Rivaroxaban und unterzogen sich einem elektiven Eingriff, für den die Antikoagulation pausiert werden musste. Häufig handelte es sich um urologische oder allgemein-chirurgische Interventionen.
Das Pausierungsschema folgte einem standardisierten Protokoll: Bei moderatem Blutungsrisiko wurde das DOAK in der Regel 24 Stunden vor dem Eingriff pausiert, bei hohem Blutungsrisiko 48 Stunden vorher. Auch die Nierenfunktion wurde berücksichtigt:
Unmittelbar vor Operationsbeginn wurden die DOAK-Spiegel mittels Flüssigkeitschromatographie-Massenspektrometrie bestimmt. Als erhöht galten Werte ab 30 ng/ml.
Insgesamt war der DOAK-Spiegel bei 7,6 % der Patienten vor dem Eingriff erhöht. Hierbei zeigte sich ein deutlicher Unterschied nach Eingriffsrisiko und damit verbundener Pausierungsdauer:
Häufiger erhöhte Spiegel unter Apixaban
Auch zwischen den Wirkstoffen zeigten sich Unterschiede. Unter Apixaban hatten 13,1 % der Patienten erhöhte präoperative Spiegel, unter Rivaroxaban 4,2 % und unter Dabigatran 3,6 %. In der multivariablen Analyse blieben Apixaban, eine niedrigere eGFR und eine kürzere Unterbrechungszeit mit höheren präoperativen DOAK-Spiegeln assoziiert.
Zusätzlich untersuchten die Autoren, ob die Prothrombinzeit und die aktivierte partielle Thromboplastinzeit Hinweise auf relevante präoperative DOAK-Spiegel liefern. Die Gerinnungszeiten waren zwar häufig erhöht, korrelierten aber nur schwach mit den gemessenen Wirkstoffspiegeln. Wenn präoperativ geklärt werden soll, ob noch relevante Wirkstoffspiegel vorliegen, sind spezifische Messverfahren aussagekräftiger.
Klinisch entscheidend ist, ob erhöhte Restspiegel mit Blutungskomplikationen einhergehen. In der Studie waren präoperativ erhöhte DOAK-Spiegel in der Gesamtanalyse jedoch nicht mit einem höheren intraoperativen Blutverlust assoziiert. Bei Eingriffen mit moderatem Blutungsrisiko zeigte sich zwar ein leichter Anstieg des Blutverlusts, dessen klinische Bedeutung jedoch unklar bleibt.
Auch in der 30-tägigen Nachbeobachtung ergab sich kein Hinweis darauf, dass die Patienten mit erhöhten Restspiegeln häufiger Blutungsereignisse entwickelten. Insgesamt kam es bei 35 Patienten zu Blutungsereignissen, darunter 12 schwere und 23 leichte Blutungen. Von den Patienten mit erhöhten DOAK-Spiegeln hatte nur ein Patient ein Blutungsereignis; alle 12 schweren Blutungen traten bei Patienten mit Spiegeln unter 30 ng/ml auf.
Die Studie spricht dafür, dass das standardisierte Pausierungsschema die DOAK-Spiegel vor elektiven Eingriffen in den meisten Fällen ausreichend senkt. Erhöhte Restspiegel wurden vor allem bei kürzeren Einnahmepausen, eingeschränkter Nierenfunktion und unter Apixaban gemessen. Hier kann eine etwas längere Unterbrechung sinnvoll sein; die Autoren nennen für Apixaban eine Verlängerung um 12 Stunden als mögliche Option.