Gefahr für die Niere: erhöhte Entzündungswerte bei kardiovaskulären Erkrankungen

Eignet sich das CRP bei kardiovaskulär vorerkrankten Patienten als prognostischer Marker für die Nierenfunktion? Dieser Frage ging ein Forscherteam vom Karolinska-Institut in Stockholm nach.

Systemische Entzündung bei kardiovaskulären und Nierenerkrankungen:

  • Chronische Nierenerkrankungen (CKD) und atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ASCVD) haben gemeinsame Risikofaktoren, wie z. B. Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes.
  • Es besteht eine Assoziation zwischen ASCVD und CKD, wobei CKD das Risiko für ASCVD erhöht und umgekehrt.
  • Eine systemische Entzündung infolge einer anhaltenden Aktivierung des Immunsystems spielt vermutlich bei der Pathogenese sowohl von CKD als auch von ASCVD eine wichtige Rolle.
  • Es gibt Hinweise darauf, dass eine systemische Entzündung, gemessen anhand des C-reaktiven Proteins (CRP), ein unabhängiger Prädiktor für das kardiovaskuläre Risiko bei Patienten mit und ohne CKD ist. 
  • Die prognostische Aussagekraft des CRP in Bezug auf die Nierenfunktion ist bislang unklar.

CRP-Bestimmung zur Risikostratifizierung der Nierenfunktion? 

Die Bestimmung des Entzündungsmarkers CRP ist in der Routineversorgung gängig, allerdings in der Regel nicht explizit zur Risikostratifizierung der Nieren. Ob er sich speziell dafür eignet, wollten die schwedischen Forscher herausfinden und griffen auf Daten von rund 80.000 Patienten aus der Kohortenstudie SCREAM (Stockholm CREAtinine Measurements) zurück, die über mehrere Jahre regelmäßig CRP-Tests unterzogen wurden. Die meisten Teilnehmer litten an einem Schlaganfall, Myokardinfarkt oder einer Angina pectoris; knapp 60 % hatten eine systemische Entzündung (CRP ≥ 2 mg/l).

Endpunkte waren akutes Nierenversagen (AKI) sowie eine Kombination aus Verschlechterung der Nierenleistung, Nierenversagen oder Initiierung einer Nierenersatztherapie.

Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 6,4 Jahren traten 8.371 Nierenereignisse, 10.757 AKI-Ereignisse und 24.954 Todesfälle auf. Im Vergleich zu CRP-Werten < 1 mg/l waren höhere Werte mit einem erhöhten Risiko für beide Endpunkte verbunden. 

Die Risikoerhöhung betrug:

  • bei einem CRP von 1–3 mg/l: 18 % für AKI, 16 % für den zusammengesetzten Endpunkt
  • bei einem CRP von > 3–10 mg/l: 34 % für AKI, 24 % für den zusammengesetzten Endpunkt
  • bei einem CRP von > 10–20 mg/l: 37 % für AKI, 35 % für den zusammengesetzten Endpunkt 

Bei Gefahr für die Niere rechtzeitig nephroprotektive Maßnahmen einleiten 

Aus Sicht der Studienautoren könnte CRP somit ein geeigneter Marker zur nephrologischen Risikostratifizierung von ASCVD-Patienten sein. Ein Anstieg der Entzündungswerte könnte die behandelnden Ärzte dazu veranlassen, die Nierenfunktion zu überprüfen und rechtzeitig protektive Maßnahmen einzuleiten.

Darüber hinaus könnten Patienten identifiziert werden, die möglicherweise von einer gezielten antiinflammatorischen Therapie profitieren. Ob Wirkstoffe wie Colchizin, das zur Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen bereits eingesetzt wird, auch der Nierenprotektion dienen, müsse allerdings noch erforscht werden.

Quelle:
  1. Mazhar F et al., Systemic Inflammation and the Risks of Adverse Kidney Outcomes in Adults With Atherosclerotic Cardiovascular Disease. American Journal of Kidney Diseases 2025; 86(3): 314–323.E1