- Prochaska M, Adeola G, Vetter N, Mirmira RG, Coe F, Worcester E. Insulin Resistance in Hypercalciuric Calcium Kidney Stone Patients. Kidney Med. 2024 Oct 18;6(12):100922. doi: 10.1016/j.xkme.2024.100922. PMID: 39634328; PMCID: PMC11615144.
An der Untersuchung nahmen 42 Patienten teil, die idiopathische, hyperkalzurische Kalziumsteine bildeten und keine weiteren Komorbiditäten aufwiesen (insbesondere keinen Diabetes mellitus). Diese Steinpatienten wurden mit 27 gesunden Kontrollpersonen verglichen. Alle Probanden präsentierten sich nüchtern in einem klinischen Studienzentrum. Es wurden mehrfach Urin- und Blutproben im nüchternen Zustand und nach einem standardisierten Frühstück entnommen. Bestimmt wurden dabei u. a. die Glukose- und Insulinspiegel im nüchternen Zustand und nach dem Essen, außerdem weitere Stoffwechselhormone wie C-Peptid, Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1) und Glukagon. Aus Glukose- und Insulinwerten berechneten die Forschenden den HOMA-IR (Homeostasis Model Assessment Insulinresistenz-Index) als Maß für die . Im Urin wurden u. a. pH-Wert, Elektrolyte, Citrat, Ammoniak und Oxalat bestimmt. Die Ergebnisse der Steinpatienten und der Kontrollgruppe wurden verglichen.
Die Auswertung zeigte deutliche Unterschiede im Glukose-Insulin-Stoffwechsel zwischen den Steinbildnern und den Kontrollpersonen. Die Nierenstein-Patienten wiesen signifikant höhere Nüchtern-Insulinspiegel auf; entsprechend war auch der HOMA-IR in dieser Gruppe im Mittel deutlich höher als bei der Kontrollkohorte. Die Nüchtern-Blutzuckerwerte lagen zwar tendenziell ebenfalls über denen der Kontrollgruppe, dieser Unterschied war jedoch nur grenzwertig signifikant.
Unter postprandialen Bedingungen zeigte sich eine ähnliche Tendenz: Nach dem standardisierten Frühstück stiegen die Glukosespiegel der Steinpatienten deutlich stärker an und lagen im Durchschnitt etwa 10 mg/dL über den Werten der Kontrollgruppe. Die Insulinwerte unterschieden sich hingegen nicht zwischen den Kohorten. Alle genannten Unterschiede blieben auch in den multivariaten Regressionsanalysen signifikant, das heißt auch nach Bereinigung potenzieller Störeinflüsse wie Alter, Geschlecht und Körpermasseindex.
Bedeutsam ist, dass die übrigen untersuchten Laborparameter kaum signifikante Gruppenunterschiede aufwiesen. Weder die nüchternen noch die postprandialen Konzentrationen von C-Peptid, GLP-1 und Glukagon noch bestimmte metabolische Parameter im Urin unterschieden sich zwischen Steinpatienten und Kontrollen. Lediglich das Serumphosphat war bei den Steinbildnern niedriger, und die Kalziumausscheidung erwartungsgemäß höher.
Entsprechend dem Einschlusskriterium schieden die Nierenstein-Patienten deutlich mehr Kalzium mit dem Urin aus als die Kontrollpersonen. Abgesehen von dieser Hyperkalzurie zeigten sich jedoch keine relevanten Differenzen zwischen beiden Gruppen. Weder bei der Ausscheidung von Citrat (ein hemmender Faktor bei der Kalziumsteinentstehung) und Ammoniak noch beim Urin-pH fanden sich signifikante Unterschiede. Zudem bestand keine Korrelation zwischen dem Ausmaß der Insulinresistenz (HOMA-IR) und den Urinparametern der Patientengruppe – höhere Insulinspiegel gingen in dieser Studie also nicht mit Veränderungen der Zusammensetzung des Urins einher.
Diese Studie liefert Hinweise darauf, dass Patienten mit idiopathischer Kalziumsteinerkrankung ohne Komorbiditäten in erhöhtem Maße Anzeichen einer metabolischen Störung aufweisen. Rund ein Drittel der untersuchten Steinbildner erfüllte sogar die Kriterien einer ausgeprägten Insulinresistenz (HOMA-IR > 3). Die Stoffwechselstörung könnte einen Teil des bekannten erhöhten Risikos für kardiovaskuläre und metabolische Folgeerkrankungen bei Nierensteinpatienten erklären (z. B. , Schlaganfall, chronische Nierenerkrankung).
Bezüglich der Aussagekraft dieser Studie ist jedoch die geringe Fallzahl und das Einzelzentrum-Design zu beachten – größere und multizentrische Studien sind nötig, um kausale Zusammenhänge und mögliche klinische Konsequenzen zu validieren.