Lesen in der Kindheit fördert mentale Gesundheit bis ins Erwachsenenalter

Die Kindheit ist ein entscheidender Zeitraum für die neurologische Entwicklung. Das Vorlesen und Lesen von Büchern bereitet nicht nur Freude, sondern wirkt sich auch entscheidend auf Kognition, psychische Gesundheit und Gehirnstruktur aus.

Weltkindertag 2023: „Jedes Kind braucht eine Zukunft!“

Der Weltkindertag am 20. September – auch bekannt als Kindertag, Internationaler Kindertag oder Internationaler Tag des Kindes – richtet in über 145 Staaten weltweit den Fokus auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und speziell auf Kinderrechte. Der Weltkindertag 2023 steht unter dem Motto „Jedes Kind braucht eine Zukunft!“.

Lesen besitzt wichtige Funktion für die kleinen heranwachsenden Menschen

Lesen ist eine erlernte Fähigkeit, die durch explizite Übung über Jahre hinweg erworben wird. Durch schrittweise systematische Anweisungen entwickelt sich diese Fähigkeit weiter. Mit gut illustriertem Bildlesematerial kann die Freude am Lesen bereits in den frühen Lebensphasen geweckt werden. Diese Freude fördert kognitive phonologische und orthografische Leseprozesse und weckt den Wissensdrang in den jungen Menschen. Auf diese Weise lernen sie an der Aneignung von Wissen Spaß zu haben. Dieser Prozess unterstützt die Entwicklung langfristiger Lesegewohnheiten. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Daten über den Nutzen früher Leseaktivitäten für spätere fortgeschrittene Lese- und Sprachfähigkeiten.1

Die Kindheit: entscheidende Entwicklungsphase für das junge Gehirn

Mittels Neuroimaging konnte gezeigt werden, dass das Wachstum der Hirnrindenoberfläche sowie des Volumens der grauen Substanz am größten im Alter von 2 Jahren ist. Bereits in diesem jungen Alter werden 80 % der Erwachsenengröße erreicht. Die Meilensteine der kognitiven Entwicklung zeichnen sich in der frühen Hirnreifung ab. Zunächst reifen Regionen, die für sensorischen und motorischen Systeme zuständig sind. Im Anschluss folgen Areale, die für die grundlegenden Sprach- und räumlichen Aufmerksamkeitsfunktionen verantwortlich sind. Der Höhepunkt dieses Entwicklungsprozesses wird mit 9 Monaten nach der Geburt erreicht. Die Entwicklung der Sprachfähigkeit dauert bis in die späte Kindheit an. Ganz zum Schluss reifen dann schließlich der präfrontale und laterale temporale Kortex. Diese sind für die Modulation von Sprache und Aufmerksamkeit zuständig.1

Positive Auswirkungen des Lesens in der Kindheit: nachweisbar mittels Neuroimaging 

Die Forschungsgruppe der Cambridge University konnte nach Auswertung ihrer groß angelegten Studie folgende Beobachtungen machen. Früh einsetzendes langjähriges Lesen in der Kindheit korrelierte…

Lesen aus Vergnügen in der Kindheit ging mit einer mäßigen Vergrößerung der kortikalen Areale und Volumina einher. Vergrößert hierbei waren die temporalen, frontalen, supramarginalen, links angulären, para-hippocampalen, rechts mittel-okzipitalen, anterior-cingulären, orbitalen, insulären Regionen sowie der Thalamus und das Diencephalon. Die Forscherinnen und Forscher konnten einen signifikanten Zusammenhang der Vergrößerung dieser Gehirnareale mit den kognitiven und psychischen Gesundheitswerten der Kinder und Jugendlichen beobachten. Optimal war eine Gesamtlesedauer von 12 Stunden/Woche. Mittels MR-Analysen konnten positive kausale Zusammenhänge zwischen dem frühen Lesen aus Vergnügen und der Entwicklung des linken oberen Temporallappens aufgezeigt werden. Es zeigte sich ein positiver Zusammenhang dieser Messergebnisse mit der kognitiven Leistungsfähigkeit im Erwachsenenalter.1

Bücher statt Bildschirm für eine bessere Zukunft 

Die Freude am Lesen sollte Kindern und Jugendlichen gerade in den aktuell von Streamingdiensten und Videospielen beherrschten Zeiten ans Herz gelegt werden. Die Lektüre von Büchern regt nicht nur das Denken und die Kreativität an, sie trägt auch zum Stressabbau bei und fördert das Einfühlungsvermögen der heranwachsenden jungen Menschen. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Lesen in der Kindheit die Hirnstruktur, die Kognition sowie das psychische Wohlbefinden fördern kann.1

Referenzen:
  1. Sun YJ. et al. (2023). Early-initiated childhood reading for pleasure: associations with better cognitive performance, mental well-being and brain structure in young adolescence. Psychol Med. 2023 Jun 28:1-15.