AML-Therapie: ein Biomarker sagt Response voraus

Eine Kombinationstherapie aus Venetoclax und Azacitidin ist für viele AML-Patienten die geeignetste Therapie. Doch sprechen nicht alle Betroffenen auf die Behandlung an. Ein neuer Biomarker kann die Response auf diese Chemotherapie vorhersagen.

Vorhersage des Therapieerfolgs von 5-AZA/VEN

Bedarf an effektiven Therapieoptionen für AML-Patienten

Nicht alle AML-Patientinnen und -Patienten sind geeignete Kandidaten für eine hochdosierte Chemotherapie. Insbesondere für ältere Menschen oder diejenigen mit einer high-risk-AML sind andere Therapieoptionen wichtig. Man geht davon aus, dass dies auf etwa 50% aller AML-Erkrankten zutrifft. Die Kombination aus dem BCL-2-Inhibitor Venetoclax (VEN) und Azacitidine (5-AZA) hat sich in den letzten Jahren für diese Patientenpopulation durchgesetzt.

Doch auch diese Kombination wirkt nicht bei allen Betroffenen gleich gut – ein Problem, das schon seit jeher in der Onkologie besteht. Manche Patienten sprechen optimal auf eine bestimmte Chemotherapie an, während bei anderen der erhoffte und erwartete Therapieerfolg ausbleibt. Das fehlende Ansprechen kann mehrere Gründe haben. Aber gerade vor der Durchführung einer Chemotherapie, die mitunter schwere Nebenwirkungen mit sich bringen kann, ist es wichtig, die Chancen auf Erfolg richtig einschätzen zu können. 

Im Rahmen dieser personalisierten Medizin ist daher die Entwicklung entsprechender Biomarker bahnbrechend. So können unnötige Komplikationen vermieden und die Lebensqualität der Erkrankten gesteigert werden. 

Biomarker als Prädiktor für 5-AZA/VEN-Erfolg

Ein internationales Forschungsteam hat sich genau diesem Thema gewidmet und einen Biomarker entwickelt, der den Therapieerfolg von 5-AZA/VEN vorhersagen kann. Sie fanden heraus, dass es eine Population an unreifen GPR56+-LSC-like-Zellen gibt, die BCL-2-abhängig sind. Diese Zellen werden bei Menschen, die auf die Kombinationstherapie gut angesprochen haben, rasch eliminiert – im Sinne einer Apoptose. 

Hierauf aufbauend wurde der Flow-Zytometrie-basierte Biomarker MAC-Score (mediators of apopotosis combinational score) entwickelt. Dieser berechnet sich aus dem Verhältnis von BCL-2, BCL-xL und MCL-1-Proteinleveln in den GPR56+-LSC-like-Zellen.

Gute Vorhersagekraft des MAC-Scores

Die Studienautoren geben an, dass der MAC-Score einen positiv prädiktiven Wert von über 97% hat und so einen Therapieerfolg für 5-AZA/VEN besser vorhersagen kann als genetische Prädiktoren. 

Identifikation geeigneter Kandidaten für 5-AZA/VEN-Therapie

Der neu entwickelte Biomarker kann dabei helfen, AML-Patientinnen und -Patienten zu identifizieren, die von einer 5-AZA/VEN-Therapie profitieren können. Mit einer guten Vorhersagekraft kann der MAC-Score die Response zuverlässig vorhersagen, so die Autoren. 
 

Quelle:

Waclawiczek A, Leppa AM, Renders S, Stumpf K, Reyneri C, Betz B, Janssen M, Shahswar R, Donato E, Karpova D, Thiel V, Unglaub JM, Grabowski S, Gryzik S, Vierbaum L, Schlenk RF, Rollig C, Hundemer M, Pabst C, Heuser M, Raffel S, Muller-Tidow C, Sauer T, Trumpp A. Combinatorial BCL-2 family expression in Acute Myeloid Leukemia Stem Cells predicts clinical response to Azacitidine/Venetoclax. Cancer Discov. 2023 Mar 9:CD-22-0939. Epub ahead of print. PMID: 36892565.