Das Wichtigste auf einen Blick zu Belastung und Karriere in der Pneumologie
- In der Befragung berichtete etwa die Hälfte der Pneumologen über arbeitsbedingte Angststörungen; 22 % gaben Burnout an.
- Ärztinnen waren häufiger betroffen als Ärzte, besonders bei Angststörungen, Burnout, Schlafproblemen und Anxiolytika-Einnahme.
- Auch berufliche Entwicklungsmöglichkeiten wurden unterschiedlich erlebt: Frauen berichteten häufiger, dass ihr Geschlecht Karriereentscheidungen und berufliche Chancen beeinflusst habe.
Für die anonyme nationale Befragung wurden alle Pneumologen in Frankreich zwischen Juli 2023 und Februar 2024 kontaktiert. Insgesamt antworteten 586 Personen, entsprechend einer Rücklaufquote von 21 %. Mehr als die Hälfte der Befragten waren Frauen (57 %), das mediane Alter lag bei 38 Jahren.
Hohe Arbeitsbelastung, mäßige Zufriedenheit
Die Auswertung zeigte, dass die Arbeitsbelastung hoch ist: Fast alle Befragten arbeiteten in Vollzeit, knapp die Hälfte gab an, abends oder am Wochenende zu arbeiten. Etwa jede vierte Person berichtete von mehr als 55 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit. Gleichzeitig war die berufliche Zufriedenheit nur moderat: 44 % der Befragten erwogen, innerhalb der kommenden fünf Jahre ihre derzeitige Position zu verlassen. Nur 31 % würden ihren eigenen Kindern raten, Pneumologe oder überhaupt Arzt zu werden.
Psychische Beschwerden und Schlafprobleme häufig
Die gesundheitlichen Belastungen wurden in mehreren Bereichen sichtbar: 52 % der Befragten berichteten arbeitsbedingte Angststörungen, 22 % Burnout, 17 % depressive Symptome und 7 % Suizidgedanken. Auch Schlafprobleme waren weit verbreitet: 64 % berichteten über Schlafdefizit, 46 % über gestörten Schlaf und 27 % über häufige Albträume. Mehr als ein Drittel der Befragten berichtete, im Zusammenhang mit arbeitsbedingter Belastung Medikamente einzunehmen; hierzu zählten Anxiolytika, Hypnotika, Antidepressiva und Betablocker (ohne kardiovaskuläre Grunderkrankung).
Es zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern:
- Ärztinnen gaben häufiger Angststörungen an als Ärzte (59 % vs. 44 %) und berichteten häufiger über Burnout (28 % vs. 15 %).
- Auch arbeitsbezogene Schlafprobleme waren bei Frauen ausgeprägter: Angst, die den Schlaf beeinträchtigte, nannten 67 % der Ärztinnen und 54 % der Ärzte; Albträume 33 % vs. 21 %.
Passend dazu nahmen Frauen auch häufiger Anxiolytika ein. Insgesamt berichteten 19 % aller Befragten über eine arbeitsbezogene Anwendung dieser Substanzklasse; bei Frauen waren es 23 %, bei Männern 15 %.
Darüber hinaus sind depressive Symptome und Suizidgedanken leider keine Seltenheit in der Ärzteschaft; ihre Häufigkeit unterschied sich jedoch nicht signifikant zwischen Frauen und Männern: 19 % der Ärztinnen und 15 % der Ärzte berichteten über depressive Symptome; 8 % bzw. 6 % litten unter Suizidgedanken.
Karrierewege nicht gleich erlebt
Neben der gesundheitlichen Belastung untersuchten die Autoren auch, ob das Geschlecht nach Einschätzung der Befragten ihre berufliche Entwicklung beeinflusst hatte: zum einen eigene Karriereentscheidungen, etwa der Verzicht auf eine akademische Laufbahn, zum anderen berufliche Chancen, die den Befragten offenstanden.
Auch hier fielen geschlechtsspezifische Unterschiede auf:
- Frauen berichteten häufiger, dass ihr Geschlecht eine Rolle bei solchen Karriereentscheidungen gespielt habe. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn Alter, Kinderzahl und Tätigkeitsumfeld berücksichtigt wurden. Ärztinnen änderten z. B. ihre Karrierepläne häufiger aus familiären Gründen als Ärzte (18 % vs. 12 %), vor allem im Zusammenhang mit Kinderwunsch, Kindern oder der beruflichen Laufbahn des Partners.
- Ebenso wurden berufliche Chancen unterschiedlich erlebt. Zwei Drittel der Frauen (67 %) gaben an, dass ihr Geschlecht ihre Karrieremöglichkeiten eingeschränkt habe – bei den restlichen 33 % war dies nicht der Fall. Auch dieser Unterschied blieb in der bereinigten Analyse bestehen.
Grenzen der Befragung
Diese Ergebnisse sollten allerdings vorsichtig eingeordnet werden. Es handelt sich um Selbstauskünfte, nicht um klinische Diagnosen. Zudem waren die Teilnehmer jünger, häufiger weiblich und stärker klinisch geprägt als die Gesamtheit der französischen Pneumologen.
Fazit
Die Befragung zeigt eine hohe arbeitsbezogene Belastung unter französischen Pneumologen. Besonders Ärztinnen berichteten häufiger über Angst, Burnout, Schlafprobleme und wahrgenommene Einschränkungen ihrer beruflichen Entwicklung. Konkrete Lösungen für bessere Arbeitsbedingungen oder den Umgang mit diesen Problemen liefert die Studie nicht. Wichtig wäre als nächster Schritt zu untersuchen, welche Maßnahmen die Belastung tatsächlich senken und die berufliche Entwicklung der Ärzteschaft optimieren können.
- Leloup C, Mesa E, Basille D, Boudoussier A, Maurac A, Grassion L, Rolland-Debord C, Larrouture I, Martin C, Jeny F, Maitre T, Patout M, Sese L, Soumagne T, Gille T, Justeau G, Salvator H, Messika J, Jutant EM, Bironneau V, Le Rouzic O, Duruisseaux M, Baptista BR, Toffart AC, Valentin S, Zysman M. Female pulmonologists experienced poorer health and reduced quality of life related to their professional activities. ERJ Open Res. 2026 Apr 13;12(2):01383-2025. doi: 10.1183/23120541.01383-2025. PMID: 41982871; PMCID: PMC13071592.