Das Wichtigste auf einen Blick zu Asthma und Komorbiditäten
- In der SCAPIS-Analyse traten bei Menschen mit Asthma, Hypertonie, Hyperlipidämie, Diabetes, Zöliakie und rheumatischen Erkrankungen häufiger auf als bei Personen ohne Asthma.
- Kein signifikanter Zusammenhang zeigte sich dagegen für Herzinfarkt, Angina pectoris, Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz und Schlaganfall; chronisch-entzündliche Darmerkrankungen waren nur grenzwertig häufiger.
- Je schlechter die Lungenfunktion, desto häufiger fanden sich vor allem Diabetes, Hypertonie und rheumatische Erkrankungen.
- CRP und HbA1c lagen bei Menschen mit Asthma im Mittel höher; die absoluten Unterschiede waren allerdings klein.
Die Auswertung basiert auf der Swedish CArdioPulmonary bioImage Study, kurz SCAPIS. Für die aktuelle Analyse wurden 28.828 Personen aus der schwedischen Allgemeinbevölkerung zufällig ausgewählt. Alle waren zwischen 50 und 64 Jahre alt. In diesem Kollektiv wurde ermittelt, wie viele Personen eine ärztliche Asthmadiagnose aufwiesen und welche der folgenden Begleiterkrankungen vorlagen:
- kardiale Erkrankungen: Angina pectoris, Herzinfarkt, Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz
- Schlaganfall
- Hypertonie
- Hyperlipidämie
- Diabetes
- Zöliakie
- chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- rheumatische Erkrankungen
Zudem wurden in Blutproben die HbA1c- und CRP-Spiegel bestimmt. Außerdem wurde eine Spirometrie nach Bronchodilatation durchgeführt. Erfasst wurden unter anderem die Einsekundenkapazität (FEV1) und die forcierte Vitalkapazität (FVC).
Mehr Hypertonie, Diabetes und Zöliakie bei Asthma
Von allen Teilnehmern hatten 6,3 % Asthma. In dieser Gruppe traten mehrere Komorbiditäten häufiger auf als bei Personen ohne Asthma. Das galt besonders für Bluthochdruck und metabolische Erkrankungen: 28,6 % der Asthmagruppe hatten Hypertonie, verglichen mit 22,4 % der Teilnehmer ohne Asthma. Diabetes trat bei 6,4 % versus 4,3 % auf, Hyperlipidämie bei 13,8 % versus 11,7 %.
Auch immunologisch geprägte Erkrankungen waren bei Asthma häufiger. Zöliakie fand sich mit 1,3 % in der Asthmagruppe mehr als doppelt so oft wie in der Vergleichsgruppe (0,5 %). Rheumatische Erkrankungen wurden bei 5,6 % der Menschen mit Asthma und bei 3,6 % ohne Asthma berichtet. Für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen zeigte sich nur ein grenzwertiger Unterschied.
Kein entsprechender Unterschied zeigte sich für kardiale Erkrankungen oder Schlaganfall. Diese waren in der Kohorte insgesamt selten und traten bei Menschen mit Asthma nicht signifikant häufiger auf.
Die Unterschiede blieben auch bestehen, als die Autoren Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Raucherstatus, Packungsjahre und Bildungsniveau statistisch berücksichtigten. Am stärksten fiel die Assoziation bei Zöliakie aus. Da die Erkrankung insgesamt selten war, blieb der absolute Unterschied aber klein.
Lungenfunktion, HbA1c und CRP als Marker
Innerhalb der Asthmagruppe zeigte sich ein weiteres Muster:
- Eine niedrigere FVC ging mit mehr Hypertonie, Diabetes und rheumatischen Erkrankungen einher. Pro 10 % niedrigerer FVC war die Wahrscheinlichkeit für Diabetes um 47 % erhöht, für Hypertonie um 10 % und für rheumatische Erkrankungen um 22 %.
- Eine reduzierte FEV1 war ebenfalls mit Diabetes verbunden.
Dazu passten die Laborbefunde: CRP und HbA1c waren bei Menschen mit Asthma im Mittel höher als bei Personen ohne Asthma. Die Unterschiede waren statistisch signifikant, aber absolut klein: CRP lag bei 2,53 versus 2,08 mg/l, HbA1c bei 37,1 versus 36,5 mmol/mol.
Fazit
Asthma trat in der SCAPIS-Analyse bei Menschen mittleren Alters häufiger zusammen mit extrapulmonalen Erkrankungen auf. In der Praxis kann dies Anlass sein, besonders bei reduzierter Lungenfunktion gezielt auf Hypertonie, Diabetes und rheumatische Erkrankungen zu achten. Kausale Schlüsse erlaubt die Studie nicht; sie unterstreicht aber, dass Komorbiditäten bei der Asthmaversorgung eine größere Rolle spielen können als im Alltag oft angenommen.
- Wang J, Blomberg A, Ekström M, Persson HL, Sköld M, Torén K, et al. Asthma and extrapulmonary comorbidities in a middle-aged general population: results from the SCAPIS study. BMJ Open Respiratory Research. 2025;12:e003020. https://doi.org/10.1136/bmjresp-2024-003020.