- Gramegna A, Barone I, Alicandro G, et al.The impact of cardiovascular events in bronchiectasis: a systematic review and meta-analysis. ERJ Open Res 2024; 10: 01032-2023 [DOI:10.1183/23120541.01032-2023].
Die vorliegende Übersichtsarbeit umfasst neun Beobachtungsstudien mit insgesamt 22.239 Bronchiektase-Patienten. Für die quantitative Synthese standen drei hochwertige Kohortenstudien mit Kontrollgruppen zur Verfügung; daraus ergab sich eine gepoolte Hazard Ratio (HR) von 1,42 (95 %-Konfidenzintervall 1,30–1,57) für koronare Herzkrankheit sowie 1,71 (95 % KI 1,55–1,89) für Schlaganfälle. Dies entspricht einer Risikoerhöhung von 42 % bzw. 71 % im Vergleich zu Personen ohne Bronchiektasen.
Die Assoziation zwischen Bronchiektasen und gilt als biologisch plausibel und lässt sich durch zugrunde liegende Mechanismen erklären: Bronchiektase-Patienten zeigen eine verstärkte lokale und systemische Entzündungsneigung. Chronische leichtgradige Inflammation fördert die Entstehung und Progression atherosklerotischer Gefäßveränderungen – von Endotheldysfunktion und Plaquebildung bis hin zu Plaqueruptur und Thrombosen. Konsistent damit wurde in einer aktuellen retrospektiven Untersuchung eine hohe Prävalenz von Koronarverkalkungen bei Bronchiektase-Patienten festgestellt, die bei schwerer Krankheitsausprägung noch ausgeprägter war.
Chronische Entzündungen tragen nicht nur zur bei, sondern beeinflussen auch die Elastizität der großen Arterien. Bei Menschen mit Bronchiektasen wurde eine erhöhte Gefäßsteifigkeit beobachtet – insbesondere in der Aorta. Diese lässt sich mithilfe der sogenannten Pulswellengeschwindigkeit messen, einer etablierten Methode zur Bestimmung der arteriellen Steifigkeit. Studien zeigen, dass dieser Wert bei Bronchiektase-Patienten umso höher ausfällt, je schwerer die Erkrankung ist und je häufiger Exazerbationen auftreten.
Auch pulmonale Exazerbationen können zu einem vorübergehenden Anstieg des Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse führen. Hinweise darauf stammen aus der COPD-Forschung: Dort wurde gezeigt, dass das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle in den Tagen nach einer schweren Exazerbation deutlich ansteigt. Auch bei Bronchiektasen wird vermutet, dass solche akuten Verschlechterungen einen ähnlichen Effekt haben – etwa durch die zusätzliche systemische Entzündungsbelastung. Tatsächlich untersuchten viele der in der Metaanalyse eingeschlossenen Studien ihre Patienten genau in solchen Phasen: also während oder kurz nach einer Exazerbation. Dies deutet darauf hin, dass kardiovaskuläre Risiken bei Bronchiektasen nicht nur chronisch erhöht, sondern auch phasenweise akut verstärkt sein können.
Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit zeigen deutlich, dass Bronchiektasen mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergehen. Daher sollte diese Assoziation in der klinischen Betreuung berücksichtigt werden: Die Autoren sprechen sich für ein gezieltes kardiovaskuläres Screening bei Bronchiektase-Patienten sowie präventive Maßnahmen zur Risikoreduktion aus. Zugleich besteht weiterer Forschungsbedarf, um die zugrunde liegenden Mechanismen der kardialen Risikosteigerung bei Bronchiektasen besser zu verstehen und die genaue Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse in dieser Population zu bestimmen. Insbesondere wird eine intensivere Erforschung des Zusammenspiels von chronischer Atemwegsentzündung und kardiovaskulärer Gesundheit gefordert.