Impfungen bei chronischen Lungenkrankheiten: Was ist wichtig?

Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen sind besonders anfällig für schwere Atemwegsinfekte. Welche Impfungen für sie empfohlen werden und welche Vor- und Nachteile zu beachten sind, wurde beim diesjährigen DGIM-Kongress vorgestellt.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Impfungen bei chronischen Lungenkrankheiten

  • Impfungen schützen nicht nur vor der jeweiligen Infektion. Für einzelne Impfungen werden auch mögliche Zusatznutzen diskutiert – etwa ein geringeres Demenzrisiko nach Herpes-zoster-Impfung und weniger kardiovaskuläre Ereignisse nach Influenza-Impfung.
  • Lokale und systemische Reaktionen, etwa Fieber, nach einer Impfung sind relativ häufig, aber meist vorübergehend. Nur äußerst selten kommt es zu Immunreaktionen wie etwa einem Guillain-Barré-Syndrom.
  • Für pneumologische Patienten sind vor allem Impfungen gegen COVID-19, Influenza, Pneumokokken, Pertussis, Herpes zoster und RSV relevant.
  • Eine BCG-Impfung gegen Tuberkulose wird in Deutschland nicht empfohlen.

Nutzen erklären, Risiken einordnen

Im Patientengespräch hilft es, zunächst den Nutzen klar zu benennen. Der direkte Schutz vor Infektionen ist dabei nur ein Teil. Kardos wies auch auf unspezifische Effekte hin:

  • So wird zum Beispiel für die Influenza-Impfung ein kardiovaskulärer Zusatznutzen diskutiert, weil Influenza entzündliche Prozesse verstärken und damit Herz-Kreislauf-Ereignisse begünstigen kann.
  • Bei Herpes zoster gibt es zudem Daten, die auf einen Zusammenhang zwischen Impfung und geringerem Demenzrisiko hinweisen.

Gleichzeitig sollten Nebenwirkungen nicht kleingeredet, aber korrekt interpretiert werden: 

  • Lokale Beschwerden wie Schmerzen, Schwellung oder Juckreiz an der Einstichstelle sind keine Seltenheit, aber in der Regel harmlos.
  • Systemische Reaktionen wie Fieber, Kopfschmerzen, Unwohlsein oder Ausschlag können ebenfalls auftreten. Hier lohnt sich die Erklärung: Wenn sich ein Patient etwa nach der Influenza-Impfung am nächsten Tag krank fühlt, handelt es sich meist um eine Immunreaktion – nicht um eine Grippe durch den Impfstoff.

Seltene immunvermittelte Komplikationen können ebenfalls angesprochen werden. Kardos nannte als Beispiel das Guillain-Barré-Syndrom. Im Vortrag ordnete er das Risiko so ein: Ohne Impfung liegt die Inzidenz bei etwa 20 Fällen pro eine Million Menschen und Jahr. Nach Impfung seien es etwa 23 bis 24 Fälle pro eine Million – also drei bis vier zusätzliche Fälle. Genau solche Zahlen sind im Gespräch oft verständlicher als die pauschale Aussage, ein Risiko sei „sehr selten“. 

Ein weiteres Problem sind Fehlinformationen. Sie können Patienten stärker verunsichern als die tatsächlichen Nebenwirkungen. Ein bekanntes Beispiel ist die Sorge, dass Impfungen akute Schübe (Exazerbationen) der Lungenerkrankung auslösen könnten. Diese Befürchtung ist wissenschaftlich widerlegt – im Gegenteil schützen die Impfungen vor infektbedingten Krisen. Im Gespräch hilft deshalb die klare Einordnung, dass der Nutzen den kurzen Reiz des Immunsystems bei Weitem überwiegt.

Welche Impfungen sind pneumologisch wichtig?

Des Weiteren ging der Referent auf Impfempfehlungen ein, die speziell für Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen relevant sind: 

  • COVID-19: Eine jährliche Auffrischimpfung ist als Standardimpfung ab 60 Jahren vorgesehen, wenn eine Basisimmunität besteht. Bei relevanten Grundkrankheiten oder Immunschwäche kann sie auch früher als Indikationsimpfung infrage kommen.
  • Influenza: Die jährliche Impfung ist ab 60 Jahren empfohlen. Jüngere Patienten sollten geimpft werden, wenn Risikofaktoren vorliegen, etwa chronische Atemwegserkrankungen, Schwangerschaft oder berufliche Exposition im Gesundheitswesen. Bei älteren Patienten werden speziell angepasste Impfstoffe eingesetzt, etwa Hochdosis- oder adjuvantierte Impfstoffe. Zudem stehen rekombinante Influenza-Impfstoffe als moderne Alternative zur Verfügung.
  • Pneumokokken: Für Erwachsene ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO eine einmalige Impfung mit dem 20-valenten Konjugatimpfstoff PCV20. Auch Erwachsene ab dem 18. Lebensjahr mit erhöhtem Risiko für schwere Pneumokokken-Erkrankungen können eine Indikationsimpfung erhalten.
  • Pertussis: In der Regel wird eine Impfung von Säuglingen und Schwangeren empfohlen. Zudem sollten Erwachsene einmalig eine Pertussis-Impfung erhalten. Für Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen gilt dies jedoch als Indikationsimpfung, die alle zehn Jahre (als Kombinationsimpfung mit Tetanus und Diphtherie) wiederholt werden sollte.
  • Herpes zoster: Die Standardimpfung gilt ab 60 Jahren. Bei erhöhtem Risiko ist die Impfung mit dem Totimpfstoff inzwischen auch ab 18 Jahren empfohlen, etwa bei Asthma oder COPD. Geimpft wird zweimal. Patienten sollten vorher wissen, dass Allgemeinreaktionen nach dieser Impfung vergleichsweise deutlich ausgeprägt sein können, meist aber rasch wieder abklingen.
  • RSV: Die RSV-Impfung ist als einmalige Standardimpfung ab 75 Jahren empfohlen. Personen von 60 bis 74 Jahren sollen sie erhalten, wenn schwere Grunderkrankungen bestehen. Dazu zählen auch chronische Atemwegserkrankungen. Der Impfschutz soll zwei bis drei Jahre vorhalten.

Nicht empfohlen ist dagegen die BCG-Impfung gegen Tuberkulose. In Deutschland wird sie nach RKI-Empfehlung nicht eingesetzt; die Tuberkulose-Inzidenz ist dafür zu niedrig.

Quelle:
  1. Kardos, Peter (Frankfurt am Main). Vortrag: Impfungen bei chronischen Lungenkrankheiten – Nutzen und Risiken. Sitzung: Pneumologische Diagnostik und Therapie 2026: aktuelle Entwicklungen. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) 2026, Wiesbaden, 18.04.2026.