- Vilanova-Pereira M, et al. Effects of Nordic Walking in people with respiratory diseases: systematic review and meta-analysis. Journal of Rehabilitation Medicine. 2024;56:jrm43090. DOI: 10.2340/jrm.v56.43090.
Die Annahme, dass Nordic Walking eine vorteilhafte Sportart für Personen mit Atemwegserkrankungen sein könnte, beruht auf folgender Grundlage: Unter Nordic Walking lassen sich im Vergleich zum normalen Gehen höhere Werte für Sauerstoffverbrauch, Herzfrequenz und Energieverbrauch erreichen, ohne dass Anstrengung oder Müdigkeit proportional zunehmen. Das kann klinisch interessant sein, wenn ein Patient eine höhere Trainingsintensität erreichen soll, ohne sich deutlich stärker erschöpft zu fühlen bzw. Atemnot bei Anstrengung ein Problem sein könnte.
Um den Effekt dieser Sportart zu untersuchen, wurden 13 kontrollierte Studien (teils randomisiert, teils mit fester Gruppenzuordnung) analysiert, in denen Nordic Walking mit Standardversorgung, Schulungsprogrammen ohne Training oder anderen Trainingsformen verglichen wurde. Die Studienkohorte, bestehend aus 514 Teilnehmern, umfasste Patienten mit verschiedenen Atemwegserkrankungen (COPD, Asthma, Lungenkrebs) sowie Patienten, bei denen eine Lungentransplantation geplant war. In zehn Studien bestand die Intervention in der Nordic-Walking-Gruppe ausschließlich aus Nordic Walking. In drei Studien war diese Sportart nur Teil eines Programms, das mit weiteren Trainingsbausteinen (zum Beispiel Laufband- oder Krafttraining bzw. Atemmuskeltraining) kombiniert wurde. Alle Studien wurden für die qualitative Auswertung herangezogen. Für die quantitative Auswertung qualifizierten sich nur sieben der Studien.
Um den Ausdauer-Endpunkt zu messen, wurde überwiegend der 6-Minuten-Gehtest (6MWT) angewandt. In der Metaanalyse ergab sich kein klarer Vorteil von Nordic Walking, wenn es mit anderen aktiven Trainingsformen verglichen wurde: Der Gesamteffekt war nicht signifikant (p = 0,60), und die Heterogenität der Studien war extrem groß (I² 98 %; ein Wert über 75 % gilt als Hinweis auf sehr starke Unterschiede zwischen den Studienergebnissen).
Die Autoren folgern deshalb, dass sich zur relativen Wirksamkeit gegenüber anderen Trainingsarten derzeit keine belastbare Aussage treffen lässt.
Anders sieht es aus, wenn Nordic Walking mit keiner strukturierten Bewegungstherapie verglichen wurde: Hier zeigte die Metaanalyse einen deutlichen Zugewinn im 6MWT (im Mittel etwa 64 Meter; geringe Heterogenität).
Die Diskussion greift außerdem eine Sensitivitätsanalyse auf: Eine einzelne Studie fiel als Ausreißer auf, weil die Kontrollgruppe im 6MWT deutlich bessere Werte erzielte als die Nordic-Walking-Gruppe. Als mögliche Erklärung nennen die Autoren Unterschiede in der Trainingssteuerung: Die Kontrollgruppe trainierte mit klar vorgegebener Intensität (Ergometer bei 75 % der maximalen Herzfrequenz), die Nordic-Walking-Gruppe dagegen ohne konkrete Intensitätsvorgabe im selbst gewählten Tempo. Wird diese Studie rechnerisch ausgeschlossen, verschiebt sich das Ergebnis zugunsten des positiven Effekts von Nordic Walking.
Neben der Belastbarkeit wurden Alltagsaktivität, körperliche Fitness, Dyspnoe, gesundheitsbezogene Lebensqualität, Lungenfunktion, Body-Mass-Index (BMI) bzw. Taillenumfang, Stimmungslage sowie die Adhärenz zum Programm und Nebenwirkungen erfasst.
Die Autoren bewerten die Studienqualität insgesamt als eher begrenzt. Übersetzt heißt das: Kleine Stichproben, unterschiedliche Sportprogramme und Messmethoden sowie methodische Schwächen können die Ergebnisse verzerren – deshalb sollten die Effekte insgesamt vorsichtig interpretiert werden.
Die Review deutet darauf hin, dass Nordic Walking bei Atemwegserkrankungen die Belastbarkeit verbessern kann – besonders im Vergleich zu keiner strukturierten Bewegungstherapie. Ob es anderen aktiven Trainingsformen überlegen ist, bleibt wegen der sehr hohen Variabilität der Studienergebnisse (I² = 98%) offen. Damit sich diese Art des Ausdauersports gegenüber anderen Trainingsarten aussagekräftig einordnen lässt, sind nach Ansicht der Autoren weitere Studien nötig, in denen Umfang und Intensität des Trainings in beiden Gruppen vergleichbar festgelegt werden.