RSV-Impfung im Alter: Wirksamkeit hoch, aber Impfquote niedrig

Real-World-Daten zeigen: RSV-Impfstoffe schützen ältere Erwachsene deutlich vor schweren Verläufen. Gleichzeitig bleibt die Impfquote niedrig, besonders in einigen Bevölkerungsgruppen.

Das Wichtigste auf einen Blick: Impfquote, Wirksamkeit und Sicherheit der RSV-Impfung bei älteren Erwachsenen

  • Die RSV-Impfquote war in den ersten Saisons niedrig: In den USA lag sie bei Erwachsenen ab 60 Jahren 2023/24 bei 18,0 %.
  • Die Wirksamkeit war unter Alltagsbedingungen hoch: Gegen RSV-bedingte Hospitalisierungen lag sie gepoolt bei 74,8 %. Auch schwere Verläufe wurden deutlich reduziert; die gepoolte Wirksamkeit lag hier bei 79,8 %.
  • Das Sicherheitsprofil wurde insgesamt als günstig bewertet, auch wenn das Guillain-Barré-Syndrom als seltenes neurologisches Risiko beschrieben wurde.

In die Übersichtsarbeit wurden 36 Studien eingeschlossen, die zwischen Dezember 2023 und Oktober 2025 publiziert wurden. Insgesamt umfassten sie Daten von mehr als 121 Millionen Menschen aus den USA, Großbritannien, Italien, Australien, Tschechien, der Schweiz, Frankreich, Kanada und Israel. Untersucht wurden Impfquote, Wirksamkeit und Sicherheit nach Einführung der RSV-Impfstoffe in der Versorgung.

Impfquote niedrig – besonders in einigen Bevölkerungsgruppen 

Vergleichbare Daten zur Impfquote kamen vor allem aus den USA: In der Saison 2023/24 erhielten in der gepoolten Analyse nur 18,0 % der Erwachsenen ab 60 Jahren eine RSV-Impfung. Aus Großbritannien lagen ebenfalls Daten zur Impfquote vor, allerdings für eine enger gefasste Altersgruppe: Bei den 75- bis 79-Jährigen wurden zur Saisonmitte 46,6 % in England und 68,6 % in Schottland geimpft. In den US-Daten zeigte sich zudem, dass die Impfquote in der untersuchten Population ungleich verteilt war: Höher war sie bei Personen ab 75 Jahren sowie bei Menschen mit Komorbiditäten oder Immunsuppression, niedriger unter anderem in einigen nicht-weißen Bevölkerungsgruppen. 

Wirksamkeit: Schutz vor Hospitalisierung und schweren Verläufen

Anders als bei der Impfquote fielen die Ergebnisse zur Wirksamkeit deutlich günstiger aus. In der gepoolten Analyse zeigte sich bei Erwachsenen ab 60 Jahren ein konsistenter Schutz über mehrere Endpunkte hinweg:

  • 75,3 % gegen laborbestätigte RSV-Infektionen
  • 76,4 % gegen RSV-bedingte Notaufnahmebesuche
  • 74,8 % gegen RSV-bedingte Hospitalisierungen
  • 79,8 % gegen schwere RSV-assoziierte Verläufe, definiert etwa über Intensivbehandlung, Sauerstoffgabe oder Tod im Krankenhaus

Diese Werte sprechen dafür, dass sich die Wirksamkeit aus den Zulassungsstudien im Versorgungsalltag weitgehend bestätigt. Besonders relevant ist das für ältere Patienten mit respiratorischen oder kardiovaskulären Vorerkrankungen: Bei ihnen kann RSV über eine Pneumonie hinausgehen und bestehende kardio-pulmonale Erkrankungen verschlechtern.

Sicherheit: von Impfreaktionen bis Guillain-Barré-Syndrom

Bei den möglichen Nebenwirkungen dominierten Impfreaktionen: Häufig waren lokale Beschwerden an der Einstichstelle; in der gepoolten Auswertung wurden sie bei 42,0 % der Geimpften berichtet. Systemische Reaktionen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Myalgien oder Fieber traten bei 31,7 % auf.

Separat zu betrachten ist das Guillain-Barré-Syndrom. In zwei größeren US-Studien zeigte sich nach RSV-Impfung ein erhöhtes Risiko: Für den adjuvantierten Impfstoff RSVPreF3+AS01 wurden 5,2 bis 6,5 Fälle pro eine Million Dosen berichtet, für RSVpreF 9,0 bis 18,2 Fälle pro eine Million Dosen. Die Autoren betonen, dass dieser mögliche Zusammenhang weiter beobachtet werden muss. 

Fazit

In Deutschland empfiehlt die STIKO seit August 2024 eine einmalige RSV-Impfung für Personen ab 75 Jahren sowie für 60- bis 74-Jährige mit schweren Grunderkrankungen oder für Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Die aktuelle Metaanalyse von Real-World-Daten ergänzt diese Empfehlung nun um wichtige Daten aus dem Versorgungsalltag: Auch außerhalb klinischer Studien schützt die Impfung ältere Erwachsene vor RSV-bedingten Hospitalisierungen und schweren Verläufen.

Für die Praxis sind diese Ergebnisse vor allem in der Patientenaufklärung hilfreich. Sie liefern konkrete Zahlen zur Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen und zu den in der Versorgung beobachteten Nebenwirkungen – von häufigen Impfreaktionen bis zu seltenen neurologischen Ereignissen wie dem Guillain-Barré-Syndrom. Damit bieten die Daten eine gute Grundlage, um Nutzen und mögliche Risiken der RSV-Impfung bei älteren Risikopatienten verständlich zu besprechen.