Neue EULAR-Empfehlungen: Antirheumatika bei Kinderwunsch & Schwangerschaft

Die EULAR hat ihre Empfehlungen aktualisiert und kommt zu teils überraschend liberaleren Einschätzungen als noch 2016. Besonders Biologika werden neu bewertet. Erstmals enthalten die Empfehlungen auch klare Vorgaben für Männer mit Kinderwunsch.

Die 5 übergeordneten Prinzipien der EULAR-Empfehlungen

  • A) Allen Patientinnen sollte eine frühzeitige und regelmäßige Beratung im Hinblick auf Kinderwunsch und Schwangerschaft sowie zur Notwendigkeit einer Therapieanpassung angeboten werden. 
  • B) Die Behandlung von Patientinnen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen vor der Konzeption sowie von Patientinnen während und nach der Schwangerschaft sollte auf eine Remission oder geringe Krankheitsaktivität abzielen.
  • C) Das potenzielle Risiko einer Arzneimitteltherapie für den Fötus oder das Kind sollte gegen das Risiko einer unbehandelten mütterlichen Erkrankung abgewogen werden. 
  • D) Frauen sollten nicht vom Stillen abgehalten werden, wenn sie stillverträgliche Antirheumatika einnehmen.
  • E) Die Wahl der Behandlung bei Kinderwunsch sowie während und nach der Schwangerschaft sollte ein gemeinsamer Entscheidungsprozess zwischen behandelnden Ärzten und Patientinnen sein.

Neben diesen therapeutischen Grundprinzipien, bei denen die Betonung der Vorteile des Stillens (Punkt D) neu ist, hat die EULAR zwölf Empfehlungen zu verschiedenen Gruppen von Antirheumatika formuliert. 

Hohe Sicherheit von Biologika in Schwangerschaft und Stillzeit 

Im Vergleich zu den bisherigen Empfehlungen von 2016 werden bDMARDs (biologische krankheitsmodifizierende Medikamente) weniger kritisch betrachtet. Vor allem die Datenlage zu TNF-Inhibitoren in der Schwangerschaft hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert und spricht für ein günstiges Sicherheitsprofil dieser Wirkstoffe. Auf der Basis neuer, umfangreicher Erkenntnisse gelten nun alle bDMARDs auch in der Stillzeit als vertretbar. 

Da eine In-utero-Exposition gegenüber bDMARDs in der zweiten Schwangerschaftshälfte die Planung einer Lebendimpfung beim Säugling beeinträchtigen kann, sollten IgG1-basierte Biologika bevorzugt bis Schwangerschaftswoche (SSW) 20 und Fc-Fusionsproteine bis SSW 30–32 abgesetzt werden. Fc-freie Moleküle können dagegen während der gesamten Schwangerschaft fortgeführt werden. 

Kritisch: NSAR, Glukokortikoide und einige csDMARDs

Die konventionellen csDMARDs Cyclophosphamid, Methotrexat und Mycophenolat bleiben aufgrund ihrer Embryotoxizität kontraindiziert. Patientinnen, die diese Wirkstoffe erhalten, sollten eine wirksame Kontrazeption anwenden und die Medikamente bei Kinderwunsch ein bis drei Monate vor der Konzeption absetzen. 

Auch die Empfehlungen zur restriktiven Anwendung von NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) und oralen Glukokortikoiden bei Frauen vor und während der Schwangerschaft bleibt bestehen und wurden durch jüngste Erkenntnisse zu dosis- und therapiedauerabhängigen Risiken für Mutter und Kind nochmals untermauert. Eine Glukokortikoidbehandlung während der Schwangerschaft wird vor allem über einen längeren Zeitraum oder in Dosen von mehr als 5 mg/Tag als kritisch angesehen. Bei NSAR sollte Ibuprofen mit seiner kurzen Halbwertszeit im zweiten Trimenon bevorzugt werden (kurzfristige Anwendung von 7–10 Tagen); nach der 28. SSW sollten NSAR abgesetzt werden. 

Neu: Empfehlungen zur Therapie bei Männern mit Kinderwunsch 

Erstmals wurden auch Empfehlungen zu Antirheumatika bei männlichen Patienten mit Kinderwunsch formuliert. Wie bei Frauen muss auch bei ihnen zwischen den potenziellen Risiken einer aktiven Erkrankung auf der einen und einer antientzündlichen Therapie auf der anderen Seite abgewogen werden. 

Für Cyclophosphamid gibt es ein klares Veto: Da es zu irreversibler Unfruchtbarkeit führen kann, sollte es mindestens drei Monate vor dem Konzeptionsversuch abgesetzt werden. Als unbedenklich gelten dagegen Azathioprin oder Mercaptopurin, Colchicin, Ciclosporin, Hydroxychloroquin und Chloroquin, Immunglobuline, Leflunomid, Methotrexat ≤ 25 mg/Woche, Mycophenolat, NSAR, Prednison und Prednisolon, Sildenafil, Sulfasalazin, Tacrolimus sowie alle bDMARDs. Medikamente, die bei Frauen vor der Konzeption abgesetzt werden müssen, wie Methotrexat und Mycophenolat, sind bei Männern nach derzeitigem Kenntnisstand unverfänglich. 

Zehn Jahre nach den „Points to Consider“ der EULAR von 2016 war eine Aktualisierung dringend geboten. Die neuen Empfehlungen fußen nunmehr auf einer stärkeren Evidenz (sogenannte „Recommendations“) und erlauben vor allem für Biologika einen großzügigeren Einsatz. Dies gibt Ärzten bei der Betreuung von Patientinnen und Patienten in der heiklen Phase rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit mehr Sicherheit.

Quellen
  1. Rüegg L et al., EULAR recommendations for use of antirheumatic drugs in reproduction, pregnancy, and lactation: 2024 update. Annals of the Rheumatic Diseases 2025; 84: 910–926.
  2. Meißner Y et al., Überblick über die neuen EULAR-Empfehlungen zur antirheumatischen Therapie bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und Stillzeit. Z Rheumatol 2025; 84: 843–849.