Rheumatoide Arthritis: Adipositas senkt die Remissionschancen

Eine schwedische Registeranalyse zeigt: Patienten mit Adipositas verfehlen das Remissionsziel bei Rheuma häufiger – auch wenn Begleiterkrankungen und Lebensstilfaktoren berücksichtigt werden. Was das für die Praxis bedeutet.

Das Wichtigste auf einen Blick

Die Studie

Dass Adipositas bei rheumatoider Arthritis (RA) mit einem ungünstigeren Verlauf zusammenhängen kann, ist bekannt. Es bleibt aber die Frage, ob dahinter vor allem Begleiterkrankungen und Lebensstilunterschiede stehen – oder ob Adipositas darüber hinaus eigenständig mit einem schlechteren Therapieansprechen zusammenhängt.

Genau das hat nun eine schwedische Studie bei Patienten mit früher RA untersucht. Zusätzlich wollten die Autoren nachvollziehen, worin sich adipöse von normalgewichtigen Patienten bezüglich einzelner Remissionskriterien unterscheiden: Zeigt sich das Verfehlen der Remission eher in objektiven Entzündungsmarkern, in der subjektiven Krankheitsbelastung oder in der klinisch sichtbaren Gelenkentzündung?

Untersucht wurden die Daten von 1.285 Erwachsenen mit neu diagnostizierter RA über einen Beobachtungszeitraum von sechs Monaten. Die Patienten hatten zwischen 2006 und 2018 eine Methotrexat-Monotherapie als erste krankheitsmodifizierende Behandlung begonnen.

Einige Daten zum Kollektiv: Rund 70 % waren weiblich, das mediane Alter lag bei 58 Jahren, und etwa zwei Drittel waren seropositiv. Die BMI-Verteilung lag bei 47 % Normalgewicht, 35 % Übergewicht und 17 % Adipositas; Begleiterkrankungen waren insgesamt häufig und nahmen mit dem Körpergewicht zu: Mindestens eine Komorbidität lag bei 40 % der Normalgewichtigen, 54 % der Übergewichtigen und 65 % der Adipösen vor.

Messung der Remission

Primär bewerteten die Autoren die Remission nach drei und sechs Monaten anhand des DAS28 (Remission: DAS28 < 2,6 bzw. DAS28-CRP < 2,4). Dieser Score kombiniert Gelenkbefunde (geschwollene und druckschmerzhafte Gelenke), Entzündungswerte (CRP oder BSG) und die eigene Bewertung der Krankheitslast. Ergänzend wurden weitere Messinstrumente ausgewertet, darunter Boolean-Remission sowie CDAI und SDAI (ebenfalls zusammengesetzte Aktivitätsmaße) und die EULAR-Good-Response-Kriterien. Außerdem wurde das Einzelkriterium „keine geschwollenen Gelenke“ analysiert.

Mit Adipositas seltener in Remission

Zwischen den Gruppen zeigten sich klare Unterschiede:

Die Ergebnisse aus vollständig adjustierten Modellen deuten auf Adipositas als unabhängigen Risikofaktor für ein Therapieversagen bei Rheuma hin: Unter Berücksichtigung u.a. von Serostatus, Lebensstil-Aspekten wie Tabak- und Alkoholkonsum, körperlicher Aktivität und einem breiten Spektrum an Komorbiditätskategorien blieb Adipositas mit einem erhöhten Risiko für Remissionsversagen assoziiert (RR 1,27; 95 %-KI 1,08–1,50). Für Übergewicht zeigte sich zwar eine ähnliche Tendenz, aber kein statistisch gesicherter Effekt.

Ähnliche Ergebnisse mit anderen Scores

Die Remissionsrate bei Adipositas fiel nicht nur aufgrund der Remissionsdefinition gemäß DAS28 schlechter aus. Der gewichtsspezifische Unterschied spiegelte sich auch bei allen anderen untersuchten Scores zur Remissionsbewertung wider (z. B. CDAI und SDAI) – mit einer Ausnahme. Für das Kriterium „keine geschwollenen Gelenke“ fand sich kein entsprechender Zusammenhang zwischen Adipositas und Therapieversagen.

Mehr CRP/BSG und höhere Krankheitsbelastung

Um das häufigere Remissionsverfehlen bei Adipositas besser zu verstehen, haben die Autoren die einzelnen Bestandteile der Krankheitsaktivitäts-Scores separat betrachtet. Dabei zeigte sich:

Fazit

Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass Patienten mit Adipositas bei rheumatoider Arthritis seltener eine Remission erreichen – unabhängig von Begleiterkrankungen und Lebensstil.

Für die Praxis ist dabei vor allem wichtig: Der Unterschied zu normalgewichtigen Patienten scheint nicht primär über mehr geschwollene, druckschmerzhafte Gelenke erklärbar zu sein, sondern eher über erhöhte Entzündungswerte und patientenberichtete Komponenten. Das spricht dafür, bei adipösen Patienten auch die einzelnen Score-Bestandteile im Blick zu behalten, statt nur auf den Gesamtwert zu schauen.

Quelle:
  1. Tidblad L, Öberg Sysojev A, Delcoigne B, et al. In early rheumatoid arthritis, comorbidities do not explain the increased risk of failure to reach remission in patients with obesity. RMD Open. 2025;11:e005430. doi:10.1136/rmdopen-2025-005430.