Breaking bad news - schlechte Nachrichten gut überbringen

In fast jedem medizinischen Bereich wird früher oder später der Punkt erreicht, an dem Patientinnen oder Patienten schlechte Nachrichten überbracht werden müssen. Eine Umfrage der Berliner Charité unter Führung von Prof. Jalid Sehouli und Dr. med. Klaus Pietzner hat allerdings ergeben: Viele fühlen sich nicht entsprechend vorbereitet - sowohl im Medizinstudium als auch im ärztlichen Berufsalltag.

Wie sage ich es meinen PatientInnen?

In fast jedem medizinischen Bereich wird früher oder später der Punkt erreicht, an dem PatientInnen schlechte Nachrichten überbracht werden müssen. Eine Umfrage der Berliner Charité unter Führung von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jalid Sehouli und Dr. med. Klaus Pietzner mit dem Titel "Breaking Bad News" hat allerdings ergeben: Viele fühlen sich nicht entsprechend vorbereitet - sowohl im Medizinstudium als auch im ärztlichen Berufsalltag.

"Breaking Bad News", also das Überbringen schlechter Nachrichten, ist eine Kernkompetenz, die ÄrztInnen im Berufsalltag beherrschen müssen - unabhängig davon, ob es um die Übermittlung eines positiven HIV-Testergebnisses, die Erstdiagnose von Alzheimer oder über eine missglückte chirurgische Operation geht. Das Patientengespräch über lebensverändernde Diagnosen ist und bleibt sowohl für die Ärzteschaft als auch für die Betroffenen eine schwierige Herausforderung, denn es kann sich stark darauf auswirken, wie der langfristige Umgang mit solchen Diagnosen ausfällt. 

Ein Forschungsteam der Berliner Charité um Prof. Sehouli und Dr. Pietzner hat nun im Rahmen einer Umfrage unter über 1.300 Medizinstudierenden und ÄrztInnen festgestellt, dass das Überbringen schlechter Nachrichten keinesfalls ein Thema ist, bei dem Klarheit herrscht. Erste Zwischenergebnisse der Untersuchungen weisen auf, dass sowohl unter Studierenden als auch unter ÄrztInnen ein großes Bedürfnis besteht, für Gespräche zu lebensverändernden Diagnosen besser sensibilisiert und geschult zu werden.

Das Überbringen schlechter Nachrichten stellt für ÄrztInnen eine große Belastung dar

Dass in dieser Hinsicht Aufholbedarf besteht, zeigt sich bereits in der Frage "Haben Sie bestimmte Kenntnisse oder Techniken, um diese Gespräche zukünftig zu führen bzw. die Sie bereits verwenden?" Zwar konnte die Mehrheit der befragten ÄrztInnen (n=831) diese Frage für sich mit "ja" beantworten, doch knapp ein Drittel der Befragten sieht sich hierfür nicht entsprechend gewappnet. Gravierender fällt das Ergebnis unter den befragten Studierenden (n=315) aus. Über 49,4% der Befragten antworteten auf die Frage zwar mit "ja", die Mehrheit jedoch, knapp 50,6%, verneinte die Frage. 

Doch auch wenn die Befragten zum Teil angaben, entsprechende Strategien oder Kenntnisse zu besitzen: Der besondere Bedarf, besser auf Patientengespräche über lebensverändernde Diagnosen vorbereitet zu sein, zeigt sich besonders in der Frage "Wie groß schätzen Sie Ihre Angst vor der Übermittlung von schlechten Nachrichten im (zukünftigen) Berufsalltag ein?" bzw. "Wie groß ist Ihre Angst vor der Übermittlung von schlechten Nachrichten?". Auf einer Skala von 0 bis 6 schätzten die Medizinstudierenden ihre Furcht vor dieser Aufgabe im Schnitt bei über 5 ein. Auch unter den befragten ÄrztInnen war die Angst groß, mit PatientInnen Gespräche über schlechte Nachrichten zu führen: Auf einer Skala von 0 bis 4 lag die Furcht hiervor im Schnitt bei über 3,5. Zudem ergab die Befragung der Ärztegruppe, dass die durchschnittliche Belastung durch "schlechte Nachrichten" auf einer Skala von 0 bis 6 über 5 lag - die Patientengespräche wirken sich also in diesem Fall auch stark auf die Verfassung der behandelnden ÄrztInnen aus.

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Fortbildung dringend erwünscht 

Absolute Einigkeit zwischen Medizinstudierenden und ÄrztInnen herrschte im Hinblick auf die Notwendigkeit und den Wunsch nach Fort- und Weiterbildungen zum Thema "Übermittlung von schlechten Nachrichten". Beide Gruppen sehen hier akuten Handlungsbedarf: In der Gruppe der Studierenden - die Skala reichte in diesem Fall von 0 bis 9 - wurde die Notwendigkeit solcher Fortbildungsmöglichkeiten im Durchschnitt mit nahezu 8 beziffert. Unter den MedizinerInnen, bei denen die Skala von 0 bis 8 reichte, kam der Wunsch nach Fortbildungsmöglichkeiten auf einen Wert über 7.

Einig waren sich die befragten Studierenden und ÄrztInnen auch hinsichtlich der Formen von Training, die als am sinnvollsten erachtet wurden, um sich mehr Wissen zur Übermittlung schlechter Nachrichten anzueignen. In beiden Gruppen lagen die Punkte "Seminare mit...", "Gespräche mit...", "Supervision" und "Lernen an..." vorne. Prof. Sehouli resümiert über die bisherigen Zwischenergebnisse der Umfrage: "Die Ergebnisse zeigen die hohe Nachfrage sowohl bei den Studierenden als auch den Ärzten für Online-Angebote zum Thema: Überbringung von schlechten Nachrichten." Zusätzlich hat das Team um Sehouli auch praktische Tipps zum Übermitteln schlechter Nachrichten zusammengetragen. "Die ABC-Regel: Wann-Wo-Wer?" bietet ÄrztInnen, Betroffenen und deren Angehörigen Ratschläge zur Vorbereitung und Verarbeitung von Informationen aus dem Themenkomplex "Breaking Bad News".

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Referenzen:
NOGGO-Intergroup-Studie: MONITOR 15 - Umfrage "Überbringung von schlechten Nachrichten in der Medizin“, E. Herzog, J. Sehouli et al, 2021
Breaking Bad News (Pilotprojekt in Kooperation mit der Charité Berlin)

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