Die FFP2-Maske in Bürgerhand: Ein Kommentar

Es grenzt schon an ein Wunder: Vor einem Jahr, zu Beginn der Pandemie, galt der Mund-Nase-Schutz noch landläufig als unnötig, gerade weil nicht genügend Masken vorrätig waren. Seit dieser Woche wird nun die sogenannte Community-Maske von der FFP2-Maskenpflicht im öffentlichen Raum abgelöst – doch der Umgang damit sollte besser gelernt sein.

Ein Medizinredakteur auf Safari im Masken-Dschungel

Es grenzt schon an ein Wunder: Vor einem Jahr, zu Beginn der Pandemie, galt der Mund-Nase-Schutz noch landläufig als unnötig, gerade weil nicht genügend Masken vorrätig waren. Seit dieser Woche wird nun die sogenannte Community-Maske von der FFP2-Maskenpflicht im öffentlichen Raum abgelöst – doch der Umgang damit sollte besser gelernt sein. Auch ist es selbst für Fachleute und Apotheken nicht immer leicht, gefälschte FFP2-Masken von den wirklich zertifizierten zu unterscheiden. Aber den Bürgerinnen und Bürgern können wir die Auswahl der richtigen Maske doch ruhigen Gewissens anvertrauen, oder nicht? 

Bayern hat es vorgemacht und nun gibt es sie bundesweit, die FFP2-Maskenpflicht im Öffentlichen Nahverkehr sowie beim Einkaufen. Aus Sicht der Bundesregierung ist er das nun, der große Wurf im Kampf gegen die Coronapandemie. Doch Fachleute fangen bereits wieder an, zu mahnen, dass ein medizinischer Mund-Nase-Schutz in Bürgerhand nicht zwangsläufig auch mehr Sicherheit bedeute. Wie recht sie damit wohl haben könnten?

Problem 1: Nase frei zum Durchatmen

Nase frei, als Kinnschoner oder lässig ums Handgelenk gewunden: Die Stilblüten beim Anlegen der Maske sind mannigfaltig. Da fällt es schwer zu glauben, dass mit der FFP2-Maske nun alles ganz anders werden wird.

Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits am 14. Januar 2021 mitteilte, sind die vormals nur im medizinischen Umfeld eingesetzten FFP2-Masken nicht ohne Risiken. Korrekt angelegt, schließen sie Mund und Nase "luftdicht" ab, sodass der Atemstrom nur noch durch das wahlweise drei- bis fünflagige Geflecht der Maske erfolgen kann. Ältere Menschen und PatientInnen mit eingeschränkter Lungenfunktion könnten hier durchaus Atemprobleme bekommen.

Darüber hinaus sind selbst beim Gesundheitspersonal Atembeschwerden oder Kontaktdermatitis infolge des dichten Anliegens der Masken beschrieben worden. Richtig aufgesetzt und getragen, entfalten diese Masken andererseits einen hohen Schutz gegenüber Viren. Doch das dürfte den Bürgerinnen und Bürgern bei Atemnot sicher egal sein. Kurz die Maske lüften oder doch schnell mal die Nase rausstrecken muss doch schließlich drin sein, oder?  Für den effektiven Infektionsschutz eben leider nicht.

Problem 2: FFP2-Masken sind Einmalprodukte

Was erschwerend hinzu kommt, ist, dass FFP2-Masken zur Einmalanwendung gedacht sind und daher eigentlich täglich ersetzt werden müssen. Da sie zudem auch teurer sind im Vergleich zur geliebten und waschbaren Community-Maske, müssen sie aus Bürgersicht durchaus sparsam eingesetzt werden.

Wie gut, dass es da im Internet bereits Anleitungen gibt, wie FFP2-Masken recycelt werden könnten. Einfach sieben Masken zulegen, jede mit einem anderen Wochentag beschriften und dann abends trocken auf die Leine zum 7-tägigen Lüften hängen. Ist dann wieder Montag, einfach die Montagsmaske von der Leine nehmen und erneut ins Einkaufsgetümmel im Supermarkt stürzen. Toll, so einfach kann Infektionsschutz mit der FFP2-Maske sein.

Wer nun denkt, dass niemand so vorgehen würde, irrt. Welche Alternative haben denn RentnerInnen mit nur geringer Rente, die seit Wochen und bald Monaten auf ihr kostenfreies Starterpaket ins Abenteuer "FFP2-Maske" warten? Oder Hartz-IV-Familien, deren Satz für medizinische Kosten monatlich etwa 20 Euro ausmacht? Was ist mit den Kindern, deren Gesichter für die Masken eigentlich viel zu klein sind? Probleme, die eigentlich im vergangenen Sommer schon hätten erörtert und geklärt werden müssen.

Problem 3: FFP2-Masken auf dem Schnäppchenmarkt

Selbst diejenigen, die gut verdienen, werden wohl zumindest darüber nachdenken, ihre FFP2-Masken zum Angebotspreis einzukaufen. Deutschland ist das Land der Sparer. Warum also 5 € pro Maske zahlen, wenn es die im Sparpack auch für unter 1 € zu ergattern gibt. Es lebe der Wettbewerb.

Problem dabei: Unter den Angeboten im Netz tummeln sich viele schwarze Schafe. Masken, die kein Zertifikat tragen, umetikettiert wurden oder gar keine Zulassung auf dem europäischen Gesundheitsmarkt haben. Von außen unterscheiden sich diese "falschen FFP2-Masken" für das vom schier endlosen Angebot ganz müde gewordene Bürgerauge nicht, im Infektionsschutz und damit in ihrer Filterfunktion jedoch ganz erheblich.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (kurz: baua) empfiehlt für die Auswahl der richtigen Maske das Folgende:

Es kommt offensichtlich nicht darauf an, dass diejenige Maske gewinnt, welche über die meisten aufgedruckten Zahlen- und Buchstabenkombinationen verfügt. Die Maske sollte außerdem stets zur Verpackung passen.

Standardisiert und synonym zu verwenden sind in diesem Zusammenhang der europäische FFP2-, oder der chinesische KN95-, oder der US-amerikanische N95-Standard. Diese Kennzeichnung sollte auch neben dem Hersteller auf der Maske abgedruckt sein. Hinzu kommt die EU-weite CE-Kennzeichnung bestehend aus den Buchstaben CE gefolgt von einer vierstelligen Nummer, z. B. die weithin verbreitete 2163. Diese steht für das Prüfinstitut Universal Uygunluk Degerlendirme Hizmetleri ve Tic. A.Ş. in der Türkei. In Deuschland prüft die TÜV Rheinland LGA Products GmbH mit der Prüfnummer CE 0197. Die EU-Kommission hat zudem eine Liste aller in Europa zertifizierten Prüfzentren veröffentlicht.

Ebenso hilfreich ist eine unter dem Stichwort "FFP2" kontinuierlich aktualisierte Liste der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua), welche derzeit die 53 bekannten nicht-zertifizierten oder als gesundheitsgefährdend eingestuften "FFP2-Masken" auflistet (Stand: 21.01.2021). Ein Abgleich mit dieser Liste empfiehlt sich in jedem Fall, denn gerade für Laien  mit noch dazu knappem Gesundheitsbudget  sind die "falschen" Masken von den "echten" oft nicht zu unterscheiden.

Fazit

In Summe betrachtet, ist die Einführung einer im öffentlichen Raum geltenden FFP2-Maskenpflicht epidemiologisch ganz sicher ein Schritt in die richtige Richtung, um dieser Pandemie Herr werden zu können. Wissenschaftliche Nachweise, dass OP-, FFP2- und FFP3-Masken in aufsteigender Reihe auch Schutz vor viralen Erregern bieten, gibt es ja mittlerweile ausreichend.

Jedoch gelten bei medizinischen Masken andere Standards und Anforderungen an deren Nutzung. Hier lässt die Bundesregierung die AnwenderInnen mit der Verordnung zur FFP2-Pflicht allerdings allein. Während die einen noch immer auf den angekündigten Gutschein der Krankenkasse warten, der ihnen kostenlosen Zugang in die Welt des medizinischen Mund-Nase-Schutzes gewähren soll, sind die anderen längst schon mit einem bunten Strauß vielgestaltiger FFP2-Masken unterwegs. Und kontrollieren sollen das am Ende die BusfahrerInnen und VerkäuferInnen?  Da wird doch nicht nur mir schwindelig, oder?

Referenzen:
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua)
EU-Kommission: CE-Prüfinstitute
Robert-Koch-Institut: Infektionsschutz

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